Altersvorsorge: Fünf Fehler, die Sie vermeiden sollten

Das Rentenniveau in Deutschland sinkt in den kommenden Jahren auf 43 Prozent des letzten Nettogehalts. Das bedeutet: Wer im Alter finanziell abgesichert sein möchte, muss vorsorgen und typische Irrtümer und Fehler vermeiden.

Auf Millionen Deutsche kommen im Alter große Einschränkungen zu. Die Hälfte der heute 55- bis 64-jährigen Arbeitnehmer wird nicht genug Rente erhalten, um ihren aktuellen Konsum inklusive Wohnen zu finanzieren. Ihnen fehlen im Schnitt 700 Euro im Monat, so eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) [1]. Überdurchschnittlich oft wird es Singles, Un- und Angelernte, Selbständige ohne Mitarbeiter und generell Frauen treffen.

Doch die Rentenlücke muss nicht sein. Damit der wohlverdiente Ruhestand nicht mit großem Verzicht einhergeht, sollten folgende fünf Irrtümer und Fehler vermieden werden:

1) Der Staat kümmert sich schon drum.

Nein. Der Staat kümmert sich eben nicht darum. Die gesetzliche Rente ist zwar ein Teil des Vorsorgesystems (ebenso wie die betriebliche Altersvorsorge und die private Vorsorge). Doch die Renten, die aus der staatlichen Altersvorsorge hervorgehen, decken nicht den Bedarf im Ruhestand. Denn auch wer brav in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, darf später nur eine geringe Unterstützung vom Staat erwarten. Bis 2030 wird das Rentenniveau auf 43 Prozent des letzten Nettogehalts fallen. Experten gehen aber davon aus, dass mindestens 75, eher 80 Prozent des letzten Nettogehalts benötigt werden, um den bisherigen Lebensstandard zu halten. Allein von einer staatlichen Rente ist es also nicht möglich, im Alter so zu leben wie vorher.

2) Rentner zahlen keine Steuern.

Ein Rentner verdient zwar kein Gehalt mehr und muss damit auch keine Einkommenssteuer zahlen – es ist aber ein Fehler zu glauben, dass er nun gar keine Steuern mehr an den Staat zahlt: Seit dem 1. Januar 2005 gilt das sogenannte Alterseinkünftegesetz. Alle Renten aus gesetzlichen Rentenversicherungen sind davon betroffen – wenn sie pro Jahr brutto mehr als 9000 Euro (Alleinstehende) beziehungsweise 18.000 Euro (Ehepaare) betragen. Sie müssen dann teilweise versteuert werden. Wie groß dieser Teil ist, hängt davon ab, in welchem Jahr ein Arbeitnehmer in Rente gegangen ist. War es 2005 oder früher, muss er die Hälfte seiner Rente versteuern. Wer 2018 verrentet wurde, muss bereits auf 76 Prozent seiner Rente Steuern bezahlen, 2040 sollen es 100 Prozent werden. Arbeitnehmer müssen bei der gesetzlichen Rente also noch einmal deutliche Abschläge in Kauf nehmen.

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3) Eine Immobilie ist die beste Altersvorsorge.

Über zwei Drittel aller Deutschen (68 Prozent) glauben, dass ein Haus oder eine Wohnung eine sichere Form der privaten Altersvorsorge ist – und dabei deutlich besser als die gesetzliche Rente (TNS Emnid [2]). Doch das ist ein weit verbreiteter Irrtum: Eine Immobilie ist zwar auf jeden Fall besser als sich allein auf die gesetzliche Rente zu verlassen. Aber sie ist nicht pauschal eine gute Alterssicherung, sondern nur so wertvoll wie ihr Marktwert. Der allerdings wird bei Immobilien in den meisten deutschen Städten sinken.

Selbst wenn der Eigenheimbesitzer nicht den Fehler macht und auf einen lohnenden Verkauf spekuliert, sondern lediglich selber im Alter in dem Haus wohnen möchte, wird es schwierig: Er spart zwar Miete, aber muss Instandhaltungskosten und Grundsteuer zahlen.

 

 

4) Inflation? Ist egal.

Viele Arbeitnehmer bedenken bei ihrer Altersvorsorge die Inflation nicht oder sie gehen davon aus, dass sie schon keinen allzu großen Unterschied machen wird. Das ist ein Irrtum.

Denn die Inflation mindert auf lange Sicht die Kaufkraft einer Währung. Im Dezember 2018 lag sie in Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei rund 1,7 Prozent [4]. Offiziell strebt die Europäische Zentralbank eine jährliche Inflation von 2 Prozent an. 1,7 Prozent, zwei Prozent – das klingt auf den ersten Blick nach nicht viel, summiert sich aber. Anders ausgedrückt: In 30 Jahren fällt die Kaufkraft eines Euros bei Annahme einer solchen Inflation knapp um die Hälfte. Die gesetzliche Rente wird zwar jährlich angepasst, die betriebliche und private Altersvorsorge muss dagegen entsprechend mehr Rendite erzeugen, um nicht nur die Inflation auszugleichen, sondern gleichzeitig auch Vermögensaufbau zu betreiben.

5) Ich bin zu jung für Altersvorsorge.

Wer 30 Jahre alt ist, kümmert sich um den Berufseinstieg und nicht darum, wie er aus dem Berufsleben aussteigt. Wer 40 Jahre alt ist, der will seine Karriere vorantreiben – und nicht über deren Ende nachdenken. Verständlich. Aber es ist falsch, dass ein Arbeitnehmer erst mit 55 oder 60 Jahren an die Altersvorsorge denken muss und es dann immer noch mit einer üppigen Rente klappt. Ein Beispiel: Wer schon mit 37 Jahren privat vorsorgt und monatlich 300 Euro in eine Rentenversicherung (mit zum Beispiel einer jährlichen Rendite von drei Prozent) einzahlt, der kann im Alter auf ein Vermögen von 174.054 Euro zurückgreifen – auch dank des Zinseszinseffekts. Wer das jedoch erst mit 57 Jahren tut, hat nur noch zehn Jahre Laufzeit. Der Versicherte kann gerade mal 41.940 Euro Privat-Rente erwarten. Mehr Rendite als aktuell Rentenversicherungen versprechen in der Regel Investitionen am Kapitalmarkt. Hier zahlt es sich auch aus, wenn man früh im Berufsleben mit dem Sparen anfängt. Anders als klassische Rentenprodukte unterliegen Investments wie z.B. Aktienfonds den Schwankungen des Kapitalmarkts. Je länger der Anlagehorizont, desto leichter lassen sich zwischenzeitliche Verluste aber für den Anleger aushalten. Ein Blick auf die Kursentwicklung seit 1968 zeigt: Wer mindestens elf Jahre im DAX investiert war, hat bislang noch nie einen Verlust erlitten. Und nicht nur gab es keine Verluste, ab  20 Jahren Anlagedauer gab es mindestens eine durchschnittliche jährliche Rendite von 4 Prozent pro Jahr. [5]

Also: Wie man privat vorsorgt – über Renten- oder Lebensversicherungen oder Aktienfonds – hängt von vielen persönlichen Faktoren ab. Grundsätzlich gilt bei der Altersvorsorge aber: Jeder ist besser vorbereitet, der überhaupt etwas unternimmt. Und je früher, desto besser.

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Bildcredit: Marisa9 © istockphoto.com

 

[1] DIW Wochenbericht 37-2018, Vgl. https://www.diw.de/de/diw_01.c.597882.de/themen_nachrichten/rentennahe_jahrgaenge_haben_grosse_luecke_bei_der_sicherung_ihres_lebensstandards_im_ruhestand.html

[2] TNS Emnid-Umfrage im Auftrag der Schwäbisch Hall, Schwäbisch Hall Pressedienst, PM vom 5.10.2016, vgl.: https://newsroom.schwaebisch-hall.de/bsh-newsroom-content/uploads/presseinformationen/2016-10-05/2016-10-05_eigenheim_statt_rente.pdf

[3] DIW Wochenbericht 23/2017, „Zunehmende Polarisierung der Immobilienpreise in Deutschland bis 2030“, Autoren: Christian Westermeier, Markus M. Grabka, vgl.: https://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.559728.de

[4]Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung 019 vom 16.1.2019, vgl: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2019/01/PD19_019_611.html

[5] Die Zahlenangaben beziehen sich auf die Vergangenheit und sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.