Krieg im Nahen Osten: Einordnung und Handlungsoptionen
2. März 2026Die Ereignisse des vergangenen Wochenendes markieren eine Zäsur in der geopolitischen Landschaft des Nahen Ostens. Nach dem großangelegten Angriff der USA und Israels auf den Iran, bei dem der Oberste Führer Ali Khamenei ums Leben kam, herrscht in der Region eine neue Stufe der Instabilität. Die iranischen Vergeltungsschläge gegen US-Stützpunkte sowie Angriffe auf wirtschaftliche Zentren in Dubai, Doha und Bahrain haben an den globalen Aktienmärkten zu einer Phase erhöhter Volatilität geführt.
Flucht in Qualität: Öl, Gold und US-Dollar profitieren
Wie häufig in solchen Situationen, kommt es an den Aktienmärkten zu Kursverlusten und zu einer „Flucht in Qualität“. So verzeichnet der Rohölpreis der Sorte Brent einen starken Anstieg auf knapp 80 US-Dollar, ein Plus von rund zehn Prozent gegenüber Freitag.
Auch der Goldpreis sowie der US-Dollar, beides klassische „safe haven assets“ gewinnen.
Dagegen eröffneten die europäischen Aktienmärkte heute Morgen deutlich im Minus, wobei die Kursverluste von gut zwei Prozent relativ moderat ausfielen. Negativ betroffen sind derzeit besonders Branchen, die negativ von hohen Energie- und Treibstoffkosten abhängig sind, wie zum Beispiel Fluggesellschaften.
Die Straße von Hormuz und ihre Bedeutung für die Energiesicherheit
Das zentrale Risiko für die Weltwirtschaft ist die Straße von Hormuz.
Hierüber werden rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gastransports abgewickelt.
Bisher kam es zwar nicht zu gezielten Angriffen auf Öltanker oder die dortige Energieinfrastruktur, doch die Unsicherheit über die Sicherheit der Passage führt dazu, dass viele Reedereien die Route meiden oder zunächst ihre Schiffe in Warteposition halten. Zu einer befürchteten kompletten Schließung der Straße von Hormuz ist es bisher jedoch nicht gekommen, was ein Zeichen dafür sein könnte, dass das iranische Militär nicht (mehr) über die dazu notwendigen Mittel verfügt.

Ölpreis als Taktgeber: Ab USD 100–120 wird es kritisch
Der derzeit zu beobachtende Anstieg des Ölpreises löst aus unserer Sicht für die Weltwirtschaft noch kein Krisenszenario aus, dies könnte sich erst bei einem weiteren Anstieg in Richtung 100 oder 120 US-Dollar ändern. Eine derartige Entwicklung könnte zu einem erneuten Anstieg der Inflationsraten führen und dazu beitragen, dass die Notenbanken ihre Geldpolitik möglicherweise straffen, zumindest aber nicht weiter lockern würden.
Wer profitiert jetzt: Energie- und Verteidigungswerte im Fokus
Trotz der allgemeinen Kursverluste, die momentan zu beobachten sind, gibt es Sektoren, die sich der negativen Entwicklung entziehen können oder sogar von ihr profitieren. Hierzu gehören beispielsweise die Produzenten von Öl und Gas, die unmittelbar von den gestiegenen Energiepreisnotierungen profitieren. Höhere Margen bei der Förderung und eine Verknappung des Angebots stützen die Aktienkurse dieser Unternehmen. Zudem rückt die massive Ausweitung der militärischen Aktivitäten und die Notwendigkeit, Verteidigungskapazitäten in der Golfregion und darüber hinaus zu stärken, Rüstungsunternehmen in den Fokus. In einem Umfeld erhöhter Sicherheitsrisiken nehmen staatliche Verteidigungsausgaben tendenziell zu, was diesen Sektor strukturell stärkt.

Langfristig denken: Volatilität als Chance für gezielte Umschichtung
In einer Phase, in der Schlagzeilen von Krieg und Vergeltung dominieren, ist es aus Anlegersicht entscheidend, die langfristige Perspektive nicht aus den Augen zu verlieren. Historisch gesehen haben geopolitische Schocks oft zu heftigen, aber meist nur kurzfristigen Korrekturen an den Aktienmärkten geführt. Sobald Klarheit über das Ausmaß der physischen Versorgungsunterbrechungen bei Öl und Gas herrschen, stabilisieren sich die Märkte in der Regel wieder.
Die aktuelle Situation erfordert eine genaue Beobachtung der zyklischen, also der besonders konjunkturabhängigen Branchen, die kurzfristig unter Druck geraten könnten.
Dennoch bietet die derzeitige Volatilität auch Chancen für eine gezielte Umschichtung in stabilisierende Sektoren. In unserer Vermögensverwaltung haben wir genau aus diesen Gründen einen deutlichen Fokus auf Unternehmen aus den Branchen Sicherheit und Verteidigung gelegt.
Fazit: Ruhe bewahren
Die Lage im Nahen Osten ist ernst und die menschlichen sowie politischen Folgen sind tiefgreifend. Für die Anlagestrategie gilt jedoch: Ruhe bewahren. Übereilte Verkäufe in einem fallenden Markt führen oft zur Realisierung von Verlusten, die bei einer späteren Erholung nicht mehr aufgeholt werden können.
Disziplin zahlt sich aus: Diversifikation und Absicherung im Blick behalten
Es empfiehlt sich, ein diversifiziertes Portfolio beizubehalten und Positionen in den Bereichen Energie und Verteidigung als Absicherung gegen die aktuellen geopolitischen Risiken zu betrachten. Wir beobachten die Entwicklungen kontinuierlich, um auf Veränderungen der Faktenlage unmittelbar reagieren zu können. Die Geschichte an den Finanzmärkten lehrt uns, dass Disziplin und ein kühler Kopf in Krisensituationen die wichtigsten Werkzeuge für ein langfristig erfolgreiches Investieren sind.
Foto von Unsplash von mdreza jalali
Autor: Carsten Klude
Carsten Klude studierte nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank VWL mit Schwerpunkt Ökonometrie in Kiel. 1996 kam er zu M.M.Warburg & CO, für die er zunächst die europäischen Kapitalmärkte analysierte und später mit der Leitung des Makro-Research betraut wurde. Seit dem Jahr 2009 ist Herr Klude Mitglied im Investmentrat von M.M.Warburg & CO und verantwortet seit dem Sommer 2013 das Asset Management der Bank. Zusätzlich ist Herr Klude seit dem Jahr 2010 Mitglied im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbandes deutscher Banken e.V., dessen Vorsitz er von 2015 bis 2018 inne hatte.
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