KI-Investitionen: Teurer als die Mondlandung
13. Februar 2026Die Berichtssaison für das vierte Quartal des Jahres 2025 hinterlässt ein merkwürdiges Bild: Während die meisten US-Technologieunternehmen Rekordumsätze und Gewinne vermeldeten, reagierte die Börse mit einer tiefen Skepsis, die sich in zum Teil massiven Kursverlusten äußerte. Die Anleger blicken vor allem auf die angekündigten Investitionssummen für 2026, die bei den vier großen Hyperscalern (Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft) kumuliert die Marke von fast 700 Milliarden USD erreichen werden.
Diese Summe ist fast viermal so hoch wie die gesamten geplanten Investitionen der zwanzig größten US-Industrieunternehmen zusammen (ca. 180 Milliarden USD).
Die Anatomie einer Überreaktion
Oft wird kolportiert, die KI-Ausgaben würden die Kosten der Mondlandung in den Schatten stellen. Ein Blick in die Geschichtsbücher bestätigt dies – und relativiert es zugleich. Das Apollo-Programm kostete inflationsbereinigt rund 180 Milliarden USD, jedoch über ein gesamtes Jahrzehnt.
Die Tech-Giganten geben diese Summe heute fast pro Quartal aus.
Mit einem Anteil von 2,1 bis 2,2 Prozent am US-BIP übertreffen die geplanten Investitionen für 2026 die Ausgaben der Mondlandung (0,8 Prozent im Peak) und sogar den Eisenbahnausbau der 1850er Jahre (2,0 Prozent). Nur der Louisiana Purchase von 1803, der die Größe des damaligen Staatsgebietes der USA durch den Kauf von Frankreich verdoppelte, war mit drei Prozent des BIP ökonomisch gewichtiger. Doch wie damals bei den Eisenbahnen gilt:
Die Infrastruktur von heute ist die Produktivität von morgen.
Historische Daten zeigen, dass solche Investitionswellen zu temporären Überkapazitäten führen können, die jedoch die Grundlage für Jahrzehnte weiteren Wachstums legen. Denn häufig führen derartige Ausgaben zu einem deutlichen Produktivitätsanstieg. Blickt man auf die letzten beiden Quartale in den USA zeichnet sich genau diese Entwicklung bereits ab.
US-Tech: Gewinne wie geschmiert
Das zentrale Argument der Skeptiker, die Ausgaben seien nicht nachhaltig, prallt an der harten Realität der Bilanzen sowie der Gewinn- und Verlustrechnungen ab.
Big Tech ist nicht nur der größte Investor, sondern auch der profitabelste Sektor der US-Wirtschaft.
Im vierten Quartal 2025 hat sich die Gewinnmarge des Sektors Information Technology im S&P 500 auf 29 Prozent verbessert, während sie beispielsweise für den Sektor Industrie nur bei 12,5 Prozent liegt. Die überdurchschnittliche Profitabilität der Technologieunternehmen führt auch dazu, dass der Sektor mit einem Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr weiterhin die höchste Gewinnsteigerungsrate aufweist.
Für den gesamten S&P 500 beträgt der Zuwachs dagegen „nur“ knapp 13 Prozent.
Ohne den Technologiesektor läge die Gewinnsteigerungsrate im S&P 500 dagegen nur im niedrigen prozentual einstelligen Bereich, weil sich die Erträge in den konsumnahen Branchen, aber auch in den Sektoren Energie, Gesundheit, Versorger und Immobilien gegenüber dem Vorjahr kaum verbessert haben. Die Tech-Unternehmen erweisen sich somit als das Rückgrat der US-Wirtschaft: In den ersten neun Monaten 2025 hatten KI-bezogene Investitionen einen Anteil von rund 40 Prozent am gesamten Wachstum der US-Wirtschaft.

Bewertungen: Hoch, aber nicht exzessiv
Die Bewertungen vieler US-Technologieunternehmen sind zweifellos hoch, aber sie sind weit entfernt von den teils absurden Werten der Dotcom-Ära. Der Sektor Information Technology im S&P 500 handelt derzeit mit einem KGV-Aufschlag von etwa 1,1 im Vergleich zum S&P 500, bei der Nasdaq ist das Verhältnis mit dem 1,2-fachen etwas höher.
Die Kursperformance der meisten Aktien wird heute durch reales Gewinnwachstum getrieben, nicht durch bloße Multiple-Expansion.
Skepsis gegenüber Technologie
Skepsis gegenüber der Nachhaltigkeit von Technologiemodellen ist ein wiederkehrendes Muster: Ende der 1990er zweifelte der Markt an der Profitabilität von Glasfasernetzen, heute sind sie die unverzichtbare Basis unseres Alltags. Auch in der frühen Cloud-Phase hieß es oft, das Geschäftsmodell sei zu kapitalintensiv. Die Geschichte lehrt uns: Wer gegen den technologischen Fortschritt wettet, verliert meistens.

Disruption durch KI: Gefahr oder Chance?
Ein Treiber der aktuellen Nervosität ist die Angst, dass KI bestehende Geschäftsmodelle zerstört. Die Ankündigung von Anthropics, eine Reihe spezialisierter Lösungen für professionelle Dienstleistungen auf den Markt zu bringen, löste zuletzt einen regelrechten Kursschock bei einigen Softwareunternehmen aus. Die Sorge ist, dass KI-Agenten spezialisierte Software und Fachdatenbanken substituieren könnten. Besonders das klassische Abo-Preismodell steht unter Druck:
Wenn KI die Arbeit von zehn Mitarbeitern erledigt, sinkt der Bedarf an Nutzerlizenzen.
Doch diese Sichtweise scheint uns zu pessimistisch. Viele etablierte Anbieter besitzen proprietäre Daten, die KI-Anbieter nicht ohne Weiteres replizieren können. Vermutlich findet eine Transformation hin zu hybriden und ergebnisbasierten Preismodellen statt, die es etablierten Softwarefirmen ermöglicht, am direkten Nutzwert der KI-Automatisierung zu partizipieren.

Vorbereitung auf die Rente:
Unser Auszahlungs-Lotse
Wir übernehmen die Risikoreduktion schrittweise für Ihr Portfolio, ohne das Risiko vollständig zu eliminieren. So reduzieren wir das Risiko eines größeren Marktrückgangs kurz vor Rentenbeginn und sorgen gleichzeitig dafür, dass weiterhin Wachstumspotenzial erhalten bleibt.
Die Skepsis hat mittlerweile auch Unternehmen aus der Private-Equity-Branche erreicht,
Da diese Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv in Softwareunternehmen (vor allem in deren Schulden) investiert haben. Investoren befürchten, dass die „wiederkehrenden Einnahmen“ im KI-Zeitalter weniger sicher sind als gedacht. Aber auch hier gilt: Die Panik ist verfrüht. Das Gewinnwachstum von börsennotierten Private-Equity-Firmen lag zuletzt bei mehr als dreißig Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Unternehmen betonen, dass ihre Portfolios durch tiefe Prozessintegration geschützt sind. Zudem verbessert KI bereits jetzt die operativen Margen vieler Portfoliounternehmen durch automatisierte Prozesse in der Verwaltung und im Kundenservice.
Die aktuelle Marktkorrektur bei Technologieaktien sollte von daher nicht als Ende des Booms,
sondern als notwendige Reifeprüfung verstanden werden. Wir befinden uns in einer sehr kapitalintensiven Phase der Infrastrukturerstellung. Die Kosten sind unmittelbar sichtbar, während die Produktivitätsgewinne oft erst später in der Statistik auftauchen.
Drei Faktoren sprechen für eine Fortsetzung der Dominanz von Big Tech:
- Ihre finanzielle Überlegenheit schafft Markteintrittsbarrieren, die für Wettbewerber schwer zu überwinden sind.
- Echte KI-Mehrwerte entstehen dort, wo Modelle auf proprietäre, geschützte Datenbestände treffen, ein Feld, in dem die etablierten Unternehmen weiterhin im Vorteil sind.
- In einer Welt mit alternden Gesellschaften und Fachkräftemangel ist die durch KI ermöglichte Automatisierung kein Luxus, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung des Wohlstands.
Für Anlegende bietet die aktuelle Phase der Unsicherheit eine gute Einstiegsgelegenheit in jene Unternehmen, die das Fundament der digitalen Wirtschaft des nächsten Jahrzehnts bauen.
Foto von Possessed Photography auf Unsplash
Autor: Carsten Klude
Carsten Klude studierte nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank VWL mit Schwerpunkt Ökonometrie in Kiel. 1996 kam er zu M.M.Warburg & CO, für die er zunächst die europäischen Kapitalmärkte analysierte und später mit der Leitung des Makro-Research betraut wurde. Seit dem Jahr 2009 ist Herr Klude Mitglied im Investmentrat von M.M.Warburg & CO und verantwortet seit dem Sommer 2013 das Asset Management der Bank. Zusätzlich ist Herr Klude seit dem Jahr 2010 Mitglied im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbandes deutscher Banken e.V., dessen Vorsitz er von 2015 bis 2018 inne hatte.
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