Great, Greater, Greta? Nachhaltige Geldanlage: hier steckt der Teufel im Detail

Wie sieht aus Kundensicht eine optimale, nachhaltige Portfoliostruktur aus? Der Laie mag sich fragen, wie das sein kann – die Antwort ist auch hier recht einfach: Es existieren einfach keine Standardverfahren, um Informationen hinsichtlich der Nachhaltigkeitskriterien in Portfoliostrukturen zu überführen. Wir zeigen Ihnen die einfachste Art, Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen.

Angenommen, man wäre gezwungen, so konsensfähig wie möglich, die fünf Gebote des nachhaltigen Wirtschaftens aufzustellen, so sähen diese vermutlich wie folgt aus:

  • Gehe schonend und sparsam mit Ressourcen um und sei Dir der Verantwortung Deines Handelns auch für nachfolgende Generationen bewusst.
  • Reduziere Belastungen für die Umwelt so weit wie möglich.
  • Erhalte den Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
  • Gehe fair mit Mitarbeitern, Kunden und Zulieferern um.
  • Halte Dich an Regeln und Gesetze und bekämpfe die Korruption.

Immer mehr Unternehmen tendieren dazu, ihr wirtschaftliches Handeln nach solchen Kriterien auszurichten und sich daran messen zu lassen. Zum einen tun sie das aus einer echten Überzeugung heraus, aber auch, weil der Druck der Märkte das zunehmend erfordert. Denn Unternehmen, die auf Eigen- und Fremdkapital angewiesen sind, müssen mehr und mehr Investoren im Blick haben, die ihr Investitionsverhalten auch an nachhaltigen Kriterien orientieren. So geht seit einigen Jahren von nachhaltig investierenden Investoren eine zunehmende Macht an den Kapitalmärkten aus, die tatsächlich zu realen Veränderungen in der Wirtschaft führt und diese weiter befördert.

 

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Messbarkeit der Ziele möglich?

Allerdings liegt der Teufel, wie immer, auch hier im Detail. Denn selbst wenn die oben aufgestellten fünf Gebote vermutlich von jedem Investor ohne größeres Zögern unterschrieben werden würden, so wäre doch nie eindeutig definierbar, wie solche Ziele exakt operationalisiert werden können und wie Unternehmen in Bezug auf den jeweiligen Zielerreichungsgrad zu „benoten“ wären.

Hier muss es hier zu diskretionären Entscheidungen kommen, die zum Teil auf rein qualitativen Einschätzungen und Werturteilen beruhen, die nicht in jedem Fall konsensfähig sind. Das lässt sich an dem Beispiel CO2-Emissionen leicht erläutern:
So erscheint es zunächst einfach, das Thema CO2-Emissionen interpretations- und werturteilsfrei zu quantifizieren, indem beispielsweise die CO2-Emissionen eines Unternehmens in Relation zu dessen Wertschöpfung gesetzt werden. Auf den ersten Blick ergibt sich damit ein logisches und konsistentes Ranking. Der zweite Blick auf dieses Ranking offenbart aber schon Probleme, die nicht leicht zu lösen sind.
So finden sich auf den ersten, vermeintlich CO2-freundlichsten Positionen fast nur Banken und Versicherungen. Kein Wunder, denn im Vergleich zur Wertschöpfung verursacht eine Bank oder eine Versicherung geradezu zwangsläufig zu vernachlässigende CO2-Emissionen. Gleichzeitig ist es aber denkbar, dass eine in diesem Ranking vermeintlich auf einem guten Platz liegende Bank Projekte finanziert, die alles andere als CO2-neutral sind.

Auf der anderen Seite existieren Unternehmen, die zwar technologisch bedingt einen hohen CO2-Ausstoß relativ zur Wertschöpfung aufweisen, jedoch mit größtem Aufwand versuchen, diesen im Rahmen physikalischer Grenzen so weit wie möglich zu reduzieren.

Ist es dann fair, solche Unternehmen im Ranking massiv abzustrafen?

Müssten Vergleiche nicht stattdessen immer innerhalb von Branchen stattfinden, sodass man Äpfel mit Äpfeln vergleicht und nicht mit Birnen?

Aber selbst hier kommt man zuweilen in schwere Fahrwasser

Angenommen, zwei Versorgungsunternehmen weisen die gleichen, in Relation zur Wertschöpfung auffallend geringen CO2-Emissionen auf und finden sich daher innerhalb ihrer Branche auf den vorderen Plätzen im CO2-Ranking. Der Grund für das gute Abschneiden ist in einem Fall die Stromproduktion mit Windkrafträdern, im anderen Fall die Stromproduktion mit Atomkraft. Sollten sich nun beide Unternehmen auf dem gleichen Rangplatz befinden, oder muss es einen Malus für „bösen“ Strom aus dem Atomkraftwerk geben?
Spätestens hier kommen unter Umständen doch wieder Werturteile ins Spiel und ein französischer (oder auch schwedischer) Datenbankanbieter hätte hier vermutlich einen ganz anderen Blick auf die Sachlage als ein deutscher Anbieter.

Dieses einfache Beispiel zeigt schon, dass es die Wahrheit schlechthin nicht gibt, wenn es um nachhaltiges Investieren geht.

Und so kann es passieren, dass ein Portfolio, das von einem Datenbankanbieter als nachhaltig eingestuft wird, von einem anderen Datenbankanbieter nur als durchschnittlich bewertet wird.

Ist das ein Problem? Aus unserer Sicht ist das nicht der Fall.

Schließlich führt der Wettbewerb der Anbieter auch zu einem Wettbewerb der Ideen, der das Qualitätsniveau in der Bewertung und Einschätzung nachhaltiger Aspekte mittelfristig insgesamt heben sollte.

Wie sieht aus Kundensicht eine optimale, nachhaltige Portfoliostruktur aus?

Aber selbst wenn sich – und das ist vollkommen unwahrscheinlich – eines Tages ein weltweiter Standard hinsichtlich der Bewertung nachhaltiger Kriterien etabliert haben sollte, ist damit noch lange nicht die Frage beantwortet. Denn schließlich hat jeder Kunde seine eigenen Vorstellungen davon, welche Aspekte der Nachhaltigkeit wichtig sind und welche nicht.
So mag für den einen Kunden das Thema Ressourcenschonung von zentraler Bedeutung sein, während ein anderer Kunde einen stärkeren Wert auf Governance-Themen legt. Das führt auch schon in der heutigen Praxis dazu, dass beispielsweise kirchliche Institutionen nachhaltige Portfolios präferieren, die sich von nachhaltig investierenden Versicherungen deutlich unterscheiden.

Auch das ist nicht von Nachteil, denn auch hier führt die Meinungsvielfalt im Sinne einer Schwarmintelligenz vermutlich zu deutlich besseren Ergebnissen, als wenn beispielsweise Behörden exakt vorgeben würden, was unter nachhaltigem Investieren zu verstehen ist. Unter diesem Aspekt müssen übrigens die Überlegungen der EU zu nachhaltigen Investitionen eher kritisch gesehen werden, da sie für die Zukunft eine gewisse „Regulierungswut“ befürchten lassen, die an dieser Stelle nicht unbedingt notwendig wäre und vermutlich kontraproduktiv ist.
Wenn aber nun ein Kunde eine klare Präferenz hinsichtlich der zu berücksichtigenden und zu gewichtenden Nachhaltigkeitskriterien äußert, dann ist nicht sichergestellt, dass verschiedene Asset Manager zu ähnlichen Portfoliostrukturen gelangen, selbst wenn sie den gleichen Datenbankanbieter für die Nachhaltigkeitsratings nutzen und auf das gleiche Investmentuniversum zurückgreifen.

Der Laie mag sich fragen, wie das sein kann – die Antwort ist auch hier recht einfach:

Es existieren einfach keine Standardverfahren, um Informationen hinsichtlich der Nachhaltigkeitskriterien in Portfoliostrukturen zu überführen. Die einfachste Art, Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen, besteht beispielsweise im sogenannten Screening und Filtern. Ist einem Kunden eine ressourcenschonende Produktion besonders wichtig, könnte man einfach die Aktien oder Anleihen von Unternehmen aus dem Investmentuniversum entfernen, die hinsichtlich dieses Kriteriums besonders schlecht abschneiden.

 

Doch ist das schon die Lösung? Aus unserer Sicht ist das nur zum Teil der Fall, denn durch das Filtern ist nur garantiert, dass die größten „Sünder“ nicht mehr gekauft werden können. Es ist aber noch lange nicht sichergestellt, dass tatsächlich die Unternehmen in das Portfolio gekauft werden, die im Durchschnitt überdurchschnittlich gut sind. Rechnerisch wäre es durchaus denkbar, dass selbst nach dem Filtern der größten „Sünder“ immer noch Unternehmen gekauft werden, die im Durchschnitt einen eher schlechten Rangplatz hinsichtlich des präferierten Kriteriums aufweisen.

Entscheidend ist die Fähigkeit, durchschnittliche Rankings bezüglich der gewünschten Kriterien zu maximieren, ohne andere gewünschte Eigenschaften zu verwässern. An all diesen Punkten zeigt sich, wie facettenreich und komplex nachhaltiges Investieren sein kann. Wer hier einfache Antworten und Lösungen erwartet, hat die Natur des nachhaltigen Investierens nicht verstanden. Und wer von seinem Asset Manager nur sehr einfache Lösungen präsentiert bekommt, sollte auch dies zum Anlass nehmen, kritisch zu prüfen und genau nachzufragen.

Denn wie schon gesagt: In der nachhaltigen Geldanlage steckt der Teufel im Detail!

 


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