Ausblick 2021 (III): Perspektiven für Aktien so positiv wie lange nicht

Ein denkwürdiges Aktienmarktjahr 2020 neigt sich allmählich dem Ende zu, und wieder einmal wurden die Nerven der Kapitalanleger arg strapaziert. Nachdem der DAX Mitte Februar einen neuen historischen Höchststand mit fast 13.800 Punkten markierte, stand er vier Wochen später bei nur noch 8.250 Punkten. Niemals zuvor sind die Kurse so schnell eingebrochen, doch dank einer großzügigen geld- und fiskalpolitischen Unterstützung kam es danach zu einer ebenso schnellen Erholung.

Anlagestrategie der Stunde? Keine Panik und eine ruhige Hand bewahren!

Einmal mehr hat sich gezeigt, dass eine Anlagestrategie der ruhigen Hand und ohne panikartige Verkäufe erfolgreich gewesen ist. Zum Ausruhen bleibt aller-dings keine Zeit, denn die Fragen, wie sich die Aktienmärkte im kommenden Jahr entwickeln werden und welche Anpassungen bei der Anlagestrategie erfolgen müssen, stehen bereits auf der Agenda. Unsere Einschätzungen und Prognosen finden Sie auch auf unserem YouTube-Kanal. Besuchen, abonnieren und liken Sie uns!

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Amtsübergabe in den USA im Januar 2021

2021 sollte ein gutes Aktienmarktjahr werden. Im Januar steht zunächst die Machtübergabe von Donald Trump an den neuen US-Präsidenten Joe Biden an. Von Biden erwarten wir keine großen Überraschungen in der Anfangsphase seiner Amtszeit und rechnen daher mit wenigen Impulsen seitens der US-Politik für den Kapitalmarkt. Ein neues Fiskalpaket scheint allerdings möglich, dies wird jedoch aufgrund der wahrscheinlichen Mehrheit der Republikaner im Senat kleiner ausfallen, als von den Demokraten angedacht.

Erwartungen an die zukünftige US-Politik

Was sich aber ändern wird, ist die Art und Weise der Politik in den USA. So gehen wir davon aus, dass die USA zu einer berechenbareren und verlässlicheren Politik zurückkehren und dass sich das Verhältnis zwischen den USA zu vielen anderen Ländern wieder deutlich verbessern wird. Für die Aktienmärkte ist dies eine positive Entwicklung, da diese zukünftig mit weniger politischer Unsicherheit konfrontiert werden.

Drei Faktoren unterstützen unser positives Szenario

Wir stützen unser positives Szenario für die Aktienmärkte im kommenden Jahr im Wesentlichen auf drei Faktoren. Zum einen rechnen wir nach dem Corona-bedingten Einbruch in diesem Jahr mit einem starken Konjunkturaufschwung, zum anderen mit einer anhaltend hohen Bewertung für Aktien aufgrund des niedrigen Zinsniveaus sowie einer weiterhin reichlich vorhandenen Liquidität aufgrund der sehr expansiven Geldpolitik der Notenbanken. Da die Dynamik der Geldschöpfung allerdings abnimmt, gehen wir davon aus, dass das Thema Liquidität nicht mehr so prominent als Argument für steigende Aktienmärkte angeführt werden kann wie im Jahr 2020.

Dennoch bleibt die Überschussliquidität hoch, sodass die Aktienmärkte weiter von ihr unterstützt werden

Corona-Impfstoff leitet ein Ende der Pandemie ab 2021 ein

Mit dem Durchbruch bei den Corona-Impfstoffen sollte im Jahresverlauf 2021 das Ende der Pandemie immer stärker in den Fokus rücken. Zwar bedarf es noch großer Kraftanstrengungen seitens Regierungen, Gesundheitsämtern und der Bevölkerung bei der Verteilung und Akzeptanz der Impfstoffe, dennoch dürfte die globale Verfügbarkeit von Vakzinen und mögliche Massenimpfungen die Wahrscheinlichkeit von weiteren wirtschaftlichen Beschränkungen deutlich verringern.

In der Folge sollte sich die Konjunktur in vielen Ländern insbesondere aufgrund einer wirtschaftlichen Erholung im Dienstleistungssektor auch über das Jahr 2021 hinaus deutlich verbessern.

Positive Aussichten für den DAX im neuen Jahr

Vor diesem Hintergrund werden die meisten Unternehmen in der Lage sein, ihre Umsätze und Gewinne in den kommenden beiden Jahren deutlich zu steigern. Insbesondere rechnen wir mit verbesserten Margen, da viele Firmen die Krise genutzt haben, um ihre Kosten zu reduzieren. Für die Unternehmen im DAX wird mit einem Gewinnanstieg in den Jahren 2021 und 2022 von etwa 30 bzw. 15 Prozent gerechnet. Mit diesen Zuwächsen erreichen die DAX-Unternehmen schon Ende nächsten Jahres wieder ihre Rekordwerte aus dem Jahr 2018.

Niedrige Zinsen beflügeln den DAX zusätzlich

Da wir davon ausgehen, dass aufgrund der niedrigen Zinsen auch die Bewertungsmultiplikatoren von Aktien im historischen Vergleich auf einem hohen Niveau verbleiben und selbst eine weitere Bewertungsausweitung nicht ausgeschlossen ist, prognostizieren wir für Ende 2021 einen DAX-Stand von 15.000 Punkten.

Der EURO STOXX 50 dürfte bis zum Jahresende 2021 auf etwa 4.000 Punkte ansteigen.

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Und wie sehen die Aussichten für die USA aus?

Auch für die US-amerikanischen Börsen erwarten wir im kommenden Jahr weitere Kursgewinne. Wir gehen allerdings davon aus, dass Technologieaktien ihre Favoritenrolle der vergangenen Jahre zunächst verlieren werden. Vielmehr erwarten wir in den ersten Monaten des neuen Jahres eine bessere Entwicklung konjunktursensitiver Aktien, da diese von einem globalen Konjunkturaufschwung stärker profitieren.

Growth-Aktien schlagen Value-Aktien

Im weiteren Jahresverlauf sollten Aktien aus „Growth“-Sektoren gegenüber „Value“ aber wieder besser abschneiden.

Für den S&P 500 gehen wir von einem Jahresendstand 2021 von 4.000 Punkten aus.

Insofern wird auch das kommende Jahr positiv für den US-Aktienmarkt, das Kurssteigerungspotenzial ist allerdings etwas geringer als für die europäischen Indizes. Da wir für den US-Dollar von einer Seitwärtsbewegung ausgehen, wird die Wertentwicklung von US-Aktien für europäische Anleger durch die Währung im kommenden Jahr kaum beeinflusst.

Hohe Bewertung für Aktien im neuen Jahr

Obwohl viele Aktienmärkte bereits über eine deutlich höhere Bewertung als im historischen Durcschnitt verfügen, halten wir eine weitere Ausweitung nicht für ausgeschlossen. Hintergrund dieser Annahme ist einerseits das sehr niedrige Zinsniveau, das aufgrund des damit verbundenen niedrigeren Abzinsungsfaktors eine höhere Bewertung für Aktien rechtfertigt. Vergleicht man andererseits Aktien mit alternativen Anlageklassen wie Anleihen oder Immobilien ließe sich ebenso eine höhere Bewertung rechtfertigen. Es spricht daher vieles dafür, dass sich Aktien auch im kommenden Jahr gut entwickeln, nicht zuletzt auch aufgrund der mangelnden Anlagealternativen.

Technologiesektor weiterhin besonders interessant für Anleger

Welche Themen und Sektoren sind für Anleger im nächsten Jahr besonders interessant? Nach einer kurzen Verschnaufpause sollten die Kurse für Unter-nehmen aus dem Technologiesektor auf Jahressicht weiter zulegen. So ist der Wachstumstrend im Technologiesektor weiterhin intakt, da viele Unternehmen über ausgezeichnete und nachhaltig erfolgreiche Ge-schäftsmodelle verfügen. Unternehmen aus diesem Sektor profitieren zudem von dem anhaltenden Trend, Geschäfts- und Produktionsprozesse zu digitalisieren und zu automatisieren.

Die zunehmende Vernetzung der Gesellschaft lässt die zu verarbeitenden Datenmengen kontinuierlich anwachsen und die Umsätze von im Cloud-Geschäft aktiven Firmen weiter ansteigen.

Urbanisierung bietet zusätzliche Wachstumschancen

Dieses Wachstum wird jedoch nur aufrecht erhalten zu sein, wenn auch der Ausbau der Infrastruktur vorangetrieben wird. Nicht zuletzt für den weiterhin stark wachsenden Onlinehandel ist eine reibungslos funktionierende Logistik bzw. eine gut ausgebaute Infrastruktur Grundvoraussetzung für eine weitere Expansion. Für Anleger ergeben sich besondere Chancen, wenn sie in Aktien von Unternehmen investieren, die sich mit der Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur, wie z.B. das 5G-Netz, aber auch mit der Wasser- oder Energieversorgung beschäftigen. Denn das Wachstum in den urbanen Zentren bleibt überdurchschnittlich hoch.

Nachhaltigkeit boomt

Da das Thema Nachhaltigkeit für viele Menschen eine immer wichtigere Rolle spielt, bleiben Investments, die regenerative Energien und Elektromobilität berücksichtigen, besonders aussichtsreich. Dabei sollten nicht nur die Unternehmen profitieren, die bereits heute die ressourcenschonende oder mit der Umsetzung anerkannter gesellschaftlicher Normen einhergehende Produktion umsetzen. Auch die Agenturen, die die Einhaltung der sogenannten ESG-Kriterien durch die Unternehmen bewerten und diese den Kapitalmarktteilnehmern für Investitionen in Segmenten oder Indizes zusammenfassen, werden eine immer wichtigere Rolle spielen.

Mit welchen Risiken müssen Anleger in 2021 rechnen?

Anleger müssen sich allerdings auch im nächsten Jahr auf Kursschwankungen einstellen, da die hohe Bewertung und die bereits erreichten Kursniveaus zwischenzeitlich für Gewinnmitnahmen genutzt werden dürften.

Weitere Risikofaktoren stellen aus unserer Sicht Rückschläge bei den Corona-Impfstoffen dar, dies könnte sowohl die Verteilung als auch die Akzeptanz durch die Bevölkerung betreffen.

Darüber hinaus könnte eine anziehende Inflation, die höher ausfällt als derzeit erwartet, zu Rücksetzern führen, da dann die üppige Liquiditätsausstattung seitens der Notenbanken in Frage gestellt werden könnte. Diese Risiken spielen in unserem Hauptszenario für das kommende Jahr jedoch eine ungeordnete Rolle.

Covid-19-Impfstoff als Game Changer

Erst BioNTech und Pfizer, dann Moderna und schließlich AstraZeneca: Die Zulassung eines effektiven Covid-19-Impfstoffes durch die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA und durch die europäische Arzneimittelagentur EMA steht kurz bevor. Dies stellt einen Game Changer und einen großen Schritt in Richtung einer Kontrolle und Beendigung der Corona-Pandemie dar. Damit ist das Szenario einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung und im Zuge dessen auch einer Erholung der Unternehmensgewinne im kommenden Jahr sehr viel wahrscheinlicher geworden.

Die Aktienmärkte haben bereits mit starken Kursgewinnen auf diese Nachrichten reagiert.

Start in 2021: Unter positiven Rahmenbedingungen

Die Aussichten auf stabilere politische Verhältnisse in der Nach-Trump-Ära sowie der abnehmende Einfluss der Corona-Pandemie auf Wirtschaft und Gesellschaft reduzieren die noch vorhandenen Unsicherheiten und sprechen dafür, dass das Jahr 2021 für Anleger deutlich positivere Rahmenbedingungen bereithalten wird als es in diesem Jahr der Fall war. Neue Rekorde an den Aktienmärkten sollten nicht lange auf sich warten lassen. Von daher sollten Aktien in einem Portfolio hoch gewichtet sein.

Foto: Unsplash Daniel Schludi

Autor: Carsten Klude

Carsten Klude studierte nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank VWL mit Schwerpunkt Ökonometrie in Kiel. 1996 kam er zu M.M.Warburg & CO, für die er zunächst die europäischen Kapitalmärkte analysierte und später mit der Leitung des Makro-Research betraut wurde. Seit dem Jahr 2009 ist Herr Klude Mitglied im Investmentrat von M.M.Warburg & CO und verantwortet seit dem Sommer 2013 das Asset Management der Bank. Zusätzlich ist Herr Klude seit dem Jahr 2010 Mitglied im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbandes deutscher Banken e.V., dessen Vorsitz er von 2015 bis 2018 inne hatte.

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