ETFs kaufen: Drei Faktoren bei der Auswahl

Das Angebot an Exchange Traded Funds („ETFs“) ist vielfältig. Privatanleger haben kaum eine Chance, sich in der großen Auswahl zurechtzufinden. Denn die richtige Auswahl eines ETFs ist komplex und die Performanceunterschiede können enorm sein.

Der ETF-Markt wächst und wächst. Immer mehr Anleger legen ihr Geld in Exchange-Traded Funds an und das aus guten Gründen. Bei einem aktiv gemanagten Fonds entscheidet ein Fondsmanager, welche Wertpapiere innerhalb eines Fonds gekauft bzw. verkauft werden. ETFs (oder auch Indexfonds) hingegen bilden – ohne den Einsatz eines Fondsmanagers – relevante Indizes ab. Anleger investieren somit nicht in einzelne Unternehmen, sondern in ein Marktsegment. Das macht die börsengehandelten Indexfonds im Vergleich zu Aktien und zu aktiv verwalteten Fonds zu einer kostengünstigen und einfachen Variante, ein breit diversifiziertes Portfolio aufzubauen.

Und diese Möglichkeit wird bei den Anlegern immer beliebter: Laut Bundesbank belief sich das weltweit investierte Vermögen in Indexfonds im ersten Halbjahr 2018 auf rund 5,1 Billionen US-Dollar. Das sind 13,7% aller ausstehenden Vermögen in sämtlichen Gattungen von Investmentfonds (37,1 Billionen US-Dollar). Anfang 2009 waren nur 0,7 Billionen US-Dollar in ETFs investiert. Das entsprach damals einer Quote von 5,4 %. Allein in 2017 wuchs der globale ETF-Markt um knapp 19%.

Ähnlich verhält es sich mit den Investments in Deutschland. 2009 lag laut dem Bundesverband Investment und Asset Management der Anteil von ETFs am investierten Kapital in offenen Publikumsfonds bei 8,4 % (54,5 Milliarden Euro). 2018 erreichte er 12,8 % (125 Milliarden Euro) und ist im ersten Quartal 2019 auf 13,3% gestiegen (138 Milliarden Euro).

Dieses Wachstum sorgt dafür, dass die Asset Manager immer neue Produkte auf den Markt bringen. Mit dem wachsenden Angebot erhöhen sich auch die Möglichkeiten für Anleger enorm, ihr Portfolio zu bestücken und das Risiko breiter zu streuen. Doch mehr Angebot bedeutet ebenfalls, dass die Auswahl des richtigen Produkts immer schwieriger wird. Denn der Renditeerfolg eines Portfolios hängt maßgeblich auch mit der Wahl des richtigen Fonds zusammen. Geringe Unterschiede in der Performance summieren sich – vor allem bei langfristigem Vermögensaufbau – schnell durch Zinseszinseffekte auf.

Worauf müssen Anleger also achten, wenn sie sich im Angebotsdschungel zurechtfinden wollen? Es gibt drei wesentliche Aspekte, auf die Anleger bei der Indexfonds-Auswahl achten sollten:

1. Kosten von ETFs

Kostenkontrolle ist auch für Privatanleger bei der Geldanlage in ETFs ein wichtiger Faktor.

Indexfonds zeichnen sich zwar durch günstige Preise aus. So tendiert die jährliche Gesamtkostenquote Total Expense Ratio („TER“) bei Indexfonds meist weit unter 1%. Die Gebühren für aktiv gemanagte Fonds liegen in der Regel deutlich darüber. Doch um die Kosten eines Fonds zu beurteilen, reicht die Total Expense Ratio nicht aus. Anders als der Name suggeriert, spiegelt die Quote nicht alle Kosten wider.

Die Kennziffer „Total Cost of Ownership“ (TCO) zeigt die tatsächlichen Kosten für den Besitz eines ETF. Sie misst die zusätzlichen internen Kosten, die durch die TER nicht berücksichtigt werden. Hierzu zählen etwa zusätzliche Ausgaben für die Neugewichtung bei physisch replizierenden ETFs oder die Swap-Gebühr bei synthetisch replizierten ETFs.

Aber wo genau finden Anleger die versteckten internen Kosten, die nicht im TER enthalten sind? Der Tracking-Error oder auch Tracking-Differenz gibt darauf eine Antwort: Er bezeichnet den Unterschied zwischen der Rendite des ETFs und der Rendite des zugrundeliegenden Index, der nachgebildet wird.

Wenn ein Index etwa eine Rendite von 10% ausweist und der entsprechende ETF nur eine Rendite von 9% erwirtschaftet, dann ist der Tracking-Error 1 %. Die Tracking-Differenz zeigt Ihnen somit effektiv die Gesamtkosten für den Besitz des ETFs. Das bedeutet: Je höher die Kosten eines ETFs sind, desto stärker kann die Wertentwicklung leiden und damit das Portfolio des Anlegers.

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2. Aufbau eines ETFs

ETFs bilden passiv die Wertentwicklung eines Börsen-Index wie beispielsweise des Deutschen Aktienindex, kurz DAX, nach. Bei der Nachbildung gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Varianten: die direkte (physische) Replikation und die indirekte (synthetische) Replikation. Beim ersten Typ kauft der Fonds sämtliche Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen des zugrunde liegenden Index und gewichtet diese eins zu eins zum entsprechenden Index. ETFs mit synthetischer Replikation hingegen setzen bei der Indexnachbildung auf Tauschgeschäfte mit Banken und kaufen keine direkten Wertpapiere.

Letztere werden auch als Swap-ETFs bezeichnet und streben eine möglichst exakte Nachbildung des Index durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente an. Synthetische ETFs können in bestimmten Fällen einen Index effizienter und besser nachbilden. In sehr breiten oder illiquiden Märkten oder auch aus steuerlichen Aspekten können synthetische ETFs Vorteile bieten. Darüber hinaus wären einige Anlageklassen wie Rohstoffe oder der Geldmarkt, die über synthetische ETFs abgebildet werden, sonst nicht investierbar. Denn ein Rohstoff kann schwer physisch gekauft werden. Die Lagerkosten wären immens.

Zudem unterscheiden sich Indexfonds – wie Investmentfonds generell – in ausschüttende und thesaurierende Finanzprodukte. Anleger, die das Ziel haben, aus einem vorhandenen Vermögen regelmäßige Erträge zu erzielen, kaufen ausschüttende Indexfonds. Investoren, die lieber etwas sparen und Geld für die Zukunft zurücklegen möchten, greifen zu Indexfonds, die Erträge automatisch reinvestieren, also thesaurierende ETFs.

3. Liquidität von ETFs

Die Liquidität eines ETFs zeigt sich in der Spanne zwischen An- und Verkaufspreis, der sogenannten Geld-Brief-Spanne. Eine hohe Geldbriefspanne ist schlecht für den Anleger, denn es heißt, dass er, selbst wenn der Kurs des ETFs gleich bleibt, bei Verkauf einen Verlust macht. Einfach deswegen, weil der Ankaufspreis höher ist als der Verkaufspreis. Die Geld-Brief-Spanne hängt vor allem vom jeweiligen abgedeckten Markt ab, in dem der ETF anlegt. In sehr liquiden Märkten wie bei europäischen oder US-amerikanischen Standard-ETFs beträgt die Geld-Brief-Spanne häufig weniger als 0,05 %.

Im Börsenhandel spielen die sogenannten Market Maker die Übersetzer für die Liquidität: Sie stellen Angebote ins Orderbuch und sind daher bei fast jedem Geschäft die Gegenpartei. Je einfacher die Market Maker die Werte aus dem Index handeln können, desto günstiger die Geld-Brief-Spanne. Wenn nun mehrere Market Maker in einem Orderbuch Angebotspreise einstellen, konkurrieren sie miteinander. Je mehr Market Maker im Orderbuch bei einem ETF tätig sind, desto niedriger die Geld-Brief-Spanne des ETFs. Die Aktien des Dow Jones oder des Euro Stoxx finden sich vermutlich in den Orderbüchern jeder Börse auf der Welt – entsprechend liquide sind die ETFs, die die Indizes nachbilden.

Bei exotischen und schwer abzubildenden Märkten finden sich nur wenige interessierte Market Maker. Die produktive Konkurrenz bleibt dann aus, und die Geld-Brief-Spanne des ETF kann sich deutlich ausweiten.

Achtet man auf diese drei Aspekte bei der Auswahl, hat man den Großteil seiner Hausaufgaben erledigt. Dann muss „nur“ noch der entsprechende Markt mitspielen.

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