Wie hart wird der Shutdown Deutschland treffen?

Das Ifo Institut hat gestern Berechnungen zu den Kosten des Corona-Shutdowns für die deutsche Wirtschaft vorgestellt[1]. Die Ergebnisse sind einigermaßen erschreckend: Kommt es zu einem partiellen Stillstand der Wirtschaft von mehr als einem Monat, droht eine Rezession ungeheuren Ausmaßes.

Die Berechnungen, die selbstverständlich einer sehr hohen Unsicherheit unterliegen, kommen zu dem Ergebnis, dass jeder „Shutdown-Monat“ zu einem Wachstumsverlust von etwa fünf Prozentpunkten führt. Dabei wurde unterstellt, dass die wirtschaftliche Aktivität in einigen Branchen komplett eingestellt wird (z. B. Sport, Unterhaltung, Erholung, Reisebüros, Restaurants und Bars), während andere Sektoren ihre Produktion unverändert aufrechterhalten (Pharma- und Gesundheitsindustrie, Versorger, Land- und Forstwirtschaft).

Das Ifo Institut modelliert dann die zu erwartenden Wertschöpfungsverluste, die bei einem Shutdown von ein, zwei und drei Monaten auftreten. Darüber hinaus wird in zwei verschiedenen Szenarien die Post-Shutdown-Phase berechnet.

  • In dieser dauert es einmal zwei Monate, bis das Ausgangsniveau der wirtschaftlichen Aktivität wieder erreicht wird
  • und einmal benötigt man vier Monate, bis der Produktionsverlust wieder aufgeholt wird.

Als Fazit zieht das Ifo Institut, dass der zu erwartende wirtschaftliche Einbruch vermutlich alles in den Schatten stellen wird, was wir aus den letzten Jahren und Jahrzehnten kennen.

 

 

 

Wie hoch wird der BIP-Rückgang in Deutschland sein?

Da es aus heutiger Sicht wahrscheinlicher ist, dass das Einfrieren der Wirtschaft eher zwei als nur einen Monat dauern wird, würde das bedeuten, dass man für Deutschland von einem BIP-Rückgang in diesem Jahr nicht nur von fünf, sondern eher von fast zehn Prozent ausgehen muss.

Dies ist leider schon fast ein Best-Case-Szenario.

Denn selbst in China, das mit seinen autokratischen Machtverhältnissen sehr schnell ein Shutdown angeordnet hat und deswegen die Infektion weitgehen auf eine Provinz begrenzen konnte, hat es zwei Monate gedauert, bis die wirtschaftliche Quarantäne wieder gelockert wurde.

 


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  Carsten Klude im Interview mit dem Börsen Radio: „Wir haben eine Problemlage ohne Blaupause“:

Im Interview mit dem Börsen Radio hören Sie, warum Carsten Klude, Chefvolkswirt von M.M.Warburg & CO, nicht glaubt, dass wir schon am Ende des Kursrutsches angekommen sind. Neben einem Angebots- sowie Nachfrageschock hat die Corona-Krise nun auch einen Liquiditätsschock ausgelöst. Hinzu kommt darüber hinaus ein Ölpreisschock durch die Streitigkeiten zwischen Russland und Saudi-Arabien. Alle Anleger flüchten in die Liquidität und wollen keine „normalen“ Assets mehr halten. Für diese vielschichtige Problemlage gebe es keine Blaupause. Das ist für uns alle neu.

Was er positiv sieht: das Arsenal an Maßnahmen der Notenbanken. Das ist nahezu unbegrenzt und wird häufig von den Marktteilnehmern unterschätzt. Vielleicht wird schon bald auch der Zeitpunkt negativer Übertreibungen kommen, zu dem die Lage zu dramatisch gesehen wird. Ab diesem Moment kann es dann auch wieder aufwärts gehen.

 


 

Was könnte das für den DAX und die Unternehmensgewinne der 30 DAX-Unternehmen bedeuten?

Schon in den „normalen“ Rezessionen 1993 und 2001 sind die Gewinne um jeweils rund 60 Prozent eingebrochen, 2008 betrug das Minus 40 Prozent. Zwar haben die Unternehmensanalysten ihre Ertragsprognosen zuletzt etwas gesenkt, doch immer noch wird für dieses Jahr ein Gewinnzuwachs von fünf (Quelle: Factset) bzw. neun Prozent (Quelle: IBES) prognostiziert, gefolgt von einer weiteren Steigerung von gut 15 Prozent im nächsten Jahr.

Wir glauben dagegen, dass ein Rückgang von 40 Prozent in diesem Jahr das Mindeste sein dürfte, was man bei den Gewinnen unterstellen muss.

Geht man davon aus, dass die Erträge im nächsten Jahr im Zuge einer konjunkturellen Erholung wieder um 40 Prozent ansteigen und bewertet man die heutigen Gewinnerwartungen in 12 Monaten und die auf diese Weise ermittelten Gewinnen im Jahr 2021 mit einem Durchschnitts-KGV von 12,8, würden sich „faire“ Dax-Ziele von aktuell 6.800 Punkten bzw. zum Jahresende von 8.900 Punkten errechnen. Natürlich kann dies angesichts der weiterhin großen Unsicherheiten nur als sehr grobe Messlatte verstanden werden, wohin sich der DAX in den kommenden Monaten bewegen könnte.

Gemessen an seinem heutigen Niveau von 9.500 Punkten scheint der DAX aber bei diesem Szenario für die Unternehmensgewinne etwas überbewertet zu sein.

 

 

 

DAX_Gewinne

 

[1] https://www.ifo.de/publikationen/2020/aufsatz-zeitschrift/die-volkswirtschaftlichen-kosten-des-corona-shutdown

 

 


 

Coronavirus BIld

Autor: Carsten Klude

Carsten Klude studierte nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank VWL mit Schwerpunkt Ökonometrie in Kiel. 1996 kam er zu M.M.Warburg & CO, für die er zunächst die europäischen Kapitalmärkte analysierte und später mit der Leitung des Makro-Research betraut wurde. Seit dem Jahr 2009 ist Herr Klude Mitglied im Investmentrat von M.M.Warburg & CO und verantwortet seit dem Sommer 2013 das Asset Management der Bank. Zusätzlich ist Herr Klude seit dem Jahr 2010 Mitglied im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbandes deutscher Banken e.V., dessen Vorsitz er von 2015 bis 2018 inne hatte.

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