Aktienmärkte: Wird sich die positive Kursentwicklung fortsetzen?

Seit Jahresbeginn weisen die meisten Aktienmärkte eine beeindruckende Wertentwicklung auf. Ursache für die positive Aktienmarktentwicklung ist vor allem die Erwartung einer starken konjunkturellen Erholung in diesem Jahr. Für Anleger, die die Rallye bisher verpasst haben, stellen sich zwei Fragen: Lohnt sich der Einstieg in den Aktienmarkt noch und wenn ja, welche Aktien und Regionen sind besonders aussichtsreich?

Der DAX hat Ende März die Hürde von 15.000 Punkten genommen und damit unser Jahresendziel früher als erwartet erreicht. Für viele Anleger überraschend entwickelten sich Aktien aus der Eurozone trotz der anhaltenden oder zum Teil sogar wieder verschärften wirtschaftlichen Beschränkungen und des im Vergleich zu anderen Ländern und Regionen nur langsamen Impffortschritts äußerst robust. Auch in den USA erreichten der Dow Jones und der S&P 500 neue Rekordstände. Dagegen gerieten die Zugpferde des vergangenen Jahres etwas ins Hintertreffen: Sowohl die amerikanische Technologiebörse Nasdaq als auch die meisten Schwellenländerbörsen verzeichneten zwar Kurszuwächse, aber von geringerem Ausmaß.

Positive Aktienmarktentwicklung: Erwartung einer starken konjunkturellen Erholung

Die Erwartung einer starken konjunkturellen Erholung in diesem Jahr beruht einerseits auf der expansiven Geld- und Fiskalpolitik und andererseits auf der Aussicht auf eine nachhaltige Eindämmung der Corona-Pandemie im weiteren Jahresverlauf. So hat der Internationale Währungsfonds in dieser Woche seine globale Wachstumsprognose für dieses Jahr von 5,5 auf 6,0 Prozent angehoben – dies wäre das mit Abstand stärkste Wirtschaftswachstum der vergangenen vierzig Jahre.

Für Anleger, die die Rallye bisher verpasst haben, stellen sich zwei Fragen:

  • Lohnt sich der Einstieg in den Aktienmarkt noch und wenn ja,
  • welche Aktien und Regionen sind besonders aussichtsreich?

Trend Aktien: Ist der Börsenboom bald vorüber?

Das gab es seit langer Zeit nicht mehr: Deutsche investieren in Aktien, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Auffällig ist, dass besonders junge Menschen den Aktienmarkt für sich entdecken. Experten prophezeien bereits einen Wandel der Aktienkultur. Doch wird diese Liebe nachhaltig sein? Insbesondere jetzt, wo sich die Frage stellt, ob die Rallye beim Dax vorbei ist?
Wie Carsten Klude, Chefvolkswirt von M.M.Warburg & CO., das Phänomen „Generation Aktie“ einschätzt, erfahren Sie im Video.

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Gründe, nicht in Aktien zu investieren finden sich zuhauf – wie fast immer

Seien es die hohen Schwankungen, die die Nerven der Anleger strapazieren oder die hohen Bewertungen, die auch von vielen Medien als Grund aufgegriffen werden, warum ein Crash mit starken Kursverlusten nicht mehr lange auf sich warten lassen könne. Doch genau diese Skepsis ist ein guter Nährboden dafür, dass die Kurse weiter steigen. Solange die „wall of worry“ hoch genug ist, solange gibt es noch ausreichend Liquidität am Markt, die nicht in Aktien investiert ist. Gefährlich wird es erst dann, wenn alle euphorisch sind und glauben, dass die Kurse nur steigen können, denn dann ist oft der Zeitpunkt erreicht, wenn alle Anleger bereits investiert sind.

Warum sich die positive Kursentwicklung fortsetzen sollte

Aber auch unter fundamentalen Gesichtspunkten gibt es aus unserer Sicht gute Gründe, weshalb sich die positive Kursentwicklung fortsetzen sollte. Die besseren Konjunkturperspektiven haben dazu geführt, dass die Unternehmensanalysten ihre Gewinnschätzungen in den vergangenen Monaten angehoben haben. Wurde für die 30 DAX-Unternehmen im Dezember 2020 ein aggregierter Gewinn von 880 Indexpunkten für das Jahr 2021 und von 1.020 Indexpunkten für das Jahr 2022 erwartet, sind die Prognosen mittlerweile auf gut 920 bzw. 1.060 Punkte erhöht worden. Damals hatten wir einen kleinen Abschlag vom Kurs-Gewinn-Verhältnis vorgenommen und waren damit zu unserem Kursziel von 15.000 Punkten gekommen. Mit derselben Vorgehensweise käme man jetzt aufgrund der angehobenen Gewinnprognosen zu einem Ziel von 16.100 Punkten.

Und es kommt noch besser

Wir halten es für wahrscheinlich, dass die Erwartungen für die Unternehmensgewinne in diesem und im nächsten Jahr das wahre Ausmaß der wirtschaftlichen Erholung noch gar nicht vollumfänglich widerspiegeln. So ist der DAX ein Aktienindex, in dem sich sehr viele zyklische Unternehmen aus der Industrie befinden, deren Wohl und Wehe stark von der konjunkturellen Entwicklung beeinflusst wird. Doch weder der rekordhohe Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, noch die deutliche Verbesserung des Ifo Geschäftsklimaindex kommen bislang adäquat in den Ertragsprognosen zum Ausdruck. Dies gilt im Übrigen nicht nur für die DAX-Unternehmen: Auch für die US-Unternehmen, die von einem noch stärkeren Wirtschaftsaufschwung profitieren, sind weitere positive Gewinnrevisionen zu erwarten, die den Aktienkursen weiteren Rückenwind verleihen werden. Die in der nächsten Woche beginnende US-Berichtssaison dürfte dies zeigen.

Platzt die Kursblase bald?

Doch was ist von dem Argument einer Kursblase, die sich gebildet hat und die schon bald platzen könnte, zu halten? Zweifelsohne sind Aktien in den vergangenen Monaten teuer geworden und einige Werte und Marktsegmente weisen tatsächlich Anzeichen einer Blasenbildung auf. Es ist viel spekulatives Geld im Umlauf, das von Day-Tradern auf Plattformen wie Robinhood oder Trade Republic, aber auch von Hedge Fonds oder Family Offices wie dem jüngst in Schwierigkeiten geratenen Archegos Capital Management eingesetzt wird – und das teilweise mit einem ordentlichen Hebel, der dazu führt, dass die Risiken für die Finanzstabilität nicht vernachlässigt werden dürfen.

Allerdings ist dies primär ein Ergebnis der sehr expansiven Geldpolitik der Notenbanken. Da aber weder die Federal Reserve in den USA, noch die Europäische Zentralbank in den kommenden Monaten ihre Zinspolitik anpassen werden, wird sich auch an der Tatsache, dass Aktien, aber auch alle anderen Assetklassen hoch bewertet sind, wohl nichts ändern. Das bedeutet aber, dass unser aus Vorsichtsgründen vorgenommener Abschlag vom aktuellen Bewertungsniveau reduziert werden kann. Da im Unterschied zur „normalen“ nominalen Rendite für eine 10-jährige Bundesanleihe, die seit Jahresbeginn von -0,58 auf – 0,34 Prozent leicht angestiegen ist, die reale Rendite einer 10-jährigen inflationsgeschützten Anleihe von -1,50 auf – 1,75 Prozent (auch ein Rekord!) gesunken ist, erhöht dies sogar den Spielraum aus Bewertungssicht. Von daher heben wir unser DAX-Kursziel auf 16.500 Punkte an.

Aktienkurse: deutliche Veränderungen in 2021

Unter der Oberfläche der steigenden Aktienindizes haben sich seit Jahresbeginn deutliche Veränderungen ergeben. So machte im ersten Quartal ein mehrfacher Favoritenwechsel Anlegern das Leben schwer. Bis Mitte Februar konnten Technologieunternehmen ihre bereits im vergangenen Jahr erzielten überdurchschnittlichen Kursgewinne weiter ausbauen. Die Aussicht auf eine sehr starke wirtschaftliche Erholung sowie aufkeimende Inflationssorgen, die vor allem in den USA für steigende Zinsen sorgten, lösten dann eine scharfe Korrektur bei Growth-Aktien aus, zu denen vor allem Technologiewerte gehören. Profiteure dieser Entwicklung waren von Mitte Februar bis Mitte März Value-Aktien, die in Sektoren wie Industrie, Rohstoffe und Finanzwerten zu finden sind. Als Ende März die Schieflage des großen US-Family-Offices Archegos bekannt wurde, gerieten dann defensive Sektoren wie Nahrungsmittel und Versorger stärker in den Fokus der Anleger.

Klare und anhaltende Trends sind in diesem Jahr bislang Fehlanzeige

Aktives Handeln und eine regelmäßige Anpassung der Anlagestrategie war und ist deshalb erforderlich. Dass in europäischen Indizes mehr Value-Aktien als in US-Indizes enthalten sind, erklärt, warum in diesem Jahr erstmals seit langer Zeit viele europäische Aktien eine bessere Wertentwicklung aufweisen als US-Werte.

Nachdem in den letzten Jahren vor allem die Technologiewerte für eine positive Börsenentwicklung gesorgt haben, dürfte sich auch in den kommenden Monaten die relativ bessere Wertentwicklung der eher zyklischen Unternehmen und Sektoren fortsetzen. Allerdings ist dieser Trend schon voll im Gange, und es ist kaum zu prognostizieren, wie lange er anhalten wird. Von daher halten wir es für sinnvoll, momentan eine ausgewogene Mischung aus Growth und Value-Aktien zu halten.


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Carsten Klude

Autor: Carsten Klude

Carsten Klude studierte nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank VWL mit Schwerpunkt Ökonometrie in Kiel. 1996 kam er zu M.M.Warburg & CO, für die er zunächst die europäischen Kapitalmärkte analysierte und später mit der Leitung des Makro-Research betraut wurde. Seit dem Jahr 2009 ist Herr Klude Mitglied im Investmentrat von M.M.Warburg & CO und verantwortet seit dem Sommer 2013 das Asset Management der Bank. Zusätzlich ist Herr Klude seit dem Jahr 2010 Mitglied im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbandes deutscher Banken e.V., dessen Vorsitz er von 2015 bis 2018 inne hatte.

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