2022: Das Jahr, in dem die Corona-Pandemie ihr Ende nahm?

Während wir in den letzten zwei Jahren oft sehr sorgenvoll auf die Entwicklung der Corona-Pandemie geblickt haben, wollen wir zu Beginn des Jahres 2022 einen optimistischen Blick nach vorne wagen.

Seit fast genau zwei Jahren hält Corona die Welt in Atem. Das gilt für die Politik, das gesellschaftliche Leben, aber auch für die Kapitalmärkte. Ein Großteil der Kursbewegungen an den Aktien- und Rentenmärkten wurde tatsächlich in dieser Phase durch die Pandemie geprägt. Zunächst kam es im Zuge der ersten großen Pandemiewelle zu einem signifikanten Einbruch an den Aktienmärkten, der dann in einer sehr schnellen V-förmigen Erholung mündete.

Entwicklung des Aktien- und Rentenmarktes

Auslöser für die extrem schnelle und im Ausmaß signifikante Erholung war die außergewöhnlich expansive Geld- und Fiskalpolitik als Reaktion auf die Pandemie. Die Spätfolgen dieser extrem expansiven Geld- und Fiskalpolitik hinterlassen bis heute Spuren an den Kapitalmärkten.

So war die gewaltige Outperformance von Growth-Aktien zu einem nicht unerheblichen Teil das Ergebnis dieser Politik, denn die Verankerung von Zinsen in der Nähe von Null hat dazu beigetragen, dass der Barwert von Gewinnen massiv angestiegen ist – mit der Folge, dass vor allem Unternehmen mit hohen erwarteten Gewinnwachstumsraten auch in der ferneren Zukunft besonders profitieren konnten. Wir stellen nun die These auf, dass diese Marktphase, in der die Corona-Pandemie in vielfältiger Weise die Märkte beeinflusst hat, langsam dem Ende zugeht. Dafür sehen wir im Wesentlichen drei Gründe:

1. Impfstoffe wirken!

Es ist eigentlich traurig, dass man es immer wieder erwähnen und sich für diese Aussage gegenüber gewissen Gruppen schon fast rechtfertigen muss, aber die Verfügbarkeit von Impfstoffen hat einen signifikant positiven Einfluss auf die Sterblichkeit. Auch wenn es ohne Zweifel ein gewisses Enttäuschungspotenzial dadurch gegeben hat, dass insbesondere bei der Omikron-Variante Ansteckungen durch Impfungen weniger gut verhindert werden, ist der Schutz vor schwerer Krankheit und Tod nach wie vor gegeben. Wer aus welchen Gründen auch immer medizinischen Studien zu diesem Thema nicht trauen mag, kann sich diesem Sachverhalt auch mit allgemein verfügbaren Statistiken nähern und kommt dabei zu sehr eindeutigen Ergebnissen.

So haben wir bei Warburg vor einigen Wochen (bevor die Omikron-Variante in vielen Ländern relevant oder dominant wurde) eine Untersuchung darüber angestellt, inwieweit der Rückgang der Mortalität im Kontext von Covid-Erkrankungen in einer großen Zahl von Ländern eine Funktion der Höhe der Impfquote war.

Die Überlegung dahinter war wie folgt: Durch bessere Behandlungsmöglichkeiten ist die Mortalität weltweit in der Tendenz gefallen, und zudem führen auch verschiedene statistische Artefakte tendenziell zu einer fallenden Mortalität – dazu gehört beispielsweise die bessere Verfügbarkeit von Tests gegenüber der Anfangsphase der Pandemie. Daher ist ein Rückgang der Mortalität für sich genommen kein Beweis für gut funktionierende Impfungen. Wenn jedoch der länderspezifische Rückgang der Mortalität in einem engen und statistisch signifikanten Umfang von der jeweiligen Impfquote abhängt, wäre der Beweis er-bracht, dass Impfungen tatsächlich den gewünschten Effekt haben. Und zwar mit einem globalen Daten-material, bei dem quasi die Grundgesamtheit die Stichprobe ist.

Unsere Ergebnisse waren mehr als eindeutig: Der Zusammenhang zwischen der Impfquote und dem Rückgang der Mortalität war mehr als eindeutig, und selbst die wenigen „Ausreißer“ ließen sich gut erklären. So wies beispielsweise Russland angesichts einer nicht ganz schlechten Impfquote eine viel zu hohe Mortalität auf. Wenn man aber bedenkt, dass gerade der in Russland verimpfte Impfstoff eine sehr schlechte Wirksamkeit aufweist, lässt sich dieser Ausreißer sehr gut erklären und unterstützt sogar die Gesamtaussage der Untersuchung. Keine Frage, Corona hat durch Impfungen massiv an Schrecken verloren, und weitere, verbesserte Impfstoffe werden hier auch noch zu weiteren Erfolgen führen.

2. Neue Medikamente wirken!

Lange Zeit hat die Welt auf Covid-Medikamente gewartet, die schon kranken Patienten verabreicht werden können und dann einen signifikant positiven Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf aufweisen. Innerhalb der nächsten Monate werden nun endlich mehrere Medikamente auf den Markt gelangen, die erstmalig dieses Versprechen einzulösen scheinen.

Damit gibt es zusätzlich Hoffnung für die Menschen, die sich nicht impfen lassen können (oder wollen). Und es gibt noch mehr Sicherheit insbesondere für stark vorerkrankte und geimpfte Menschen. Es spricht alles dafür, dass diese Medikamente das Potenzial haben, zu einem Gamechanger in der Pandemie zu werden.

3. Omikron ist vergleichsweise harmlos!

Wir wollen an dieser Stelle selbstredend nicht bestreiten, dass gerade bei ungeimpften Menschen eine Omikron-Infektion zu sehr schweren Verläufen bis hin zum Tod führen kann. Gleichwohl zeigen viele klinische Studien, dass diese neue Variante zwar extrem ansteckend, aber eben auch weniger gefährlich ist. Das lässt sich inzwischen ebenfalls anhand öffentlich verfügbarer Statistiken mehr als gut nachvollziehen.

So beobachten wir seit Beginn der Pandemie aufmerksam die Entwicklung der Mortalität im Kontext von Covid-Erkrankungen. So sind seit Beginn der Pandemie etwa 5,5 Mio. Menschen offiziell an Covid gestorben. Bei offiziell 317 Mio. Infektionen ergibt das eine Mortalität von 1,75%. Dieser Wert ist natürlich nicht in Stein gemeißelt und schwankt aufgrund diverser Effekte im Zeitverlauf. Auffallend ist jedoch, dass seit einigen Wochen die Mortalität einen signifikant fallenden Trend aufweist. Das könnte als erster Hinweis auf eine unkritischere Symptomatik von Omikron gewertet werden.

Wir sind dieser Beobachtung auf den Grund gegangen, indem wir in einem zweiten Schritt die gleiche Berechnung nur für Länder durchgeführt haben, in denen Omikron schon über längere Zeit die dominierende Variante darstellt. Das Ergebnis ist frappierend: In diesen Ländern ist die Mortalität innerhalb recht kurzer Zeit auf ein Drittel des Wertes vor Er-scheinen der Omikron-Variante gefallen! Auch wenn dieser Wert aufgrund einiger statistischer Artefakte überzeichnet sein mag, kann doch kein Zweifel an der Grundaussage bestehen, dass Omikron ein weiterer Gamechanger ist dieser Pandemie ist.


Live-Web-Seminare mit Warburg Navigator

Christian Jasperneite

Der größte Einbruch der Märkte seit der Finanzmarktkrise, die Ausmaße der Corona Krise an der Börse ist immens. Welche Schlüsse ziehen wir daraus? Was sind die wirtschaftlichen Konsequenzen und was bedeutet das alles für die Kapitalmärkte und nicht zuletzt für Sie als Anleger? Zu diesem Thema spricht unser Chief Investment Officer Dr. Christian Jasperneite und beantwortet dabei auch Ihre Fragen.


Zusammen mit Impfungen und Medikamenten verliert die Pandemie damit derart an Schrecken, dass zumindest rational agierende Kapitalmärkte den Fokus komplett auf andere Themen richten dürften.

Das klingt fast zu schön um wahr zu sein, daher stellt sich die Frage, ob wir in dieser Analyse vielleicht etwas übersehen haben. Und tatsächlich existiert zumindest ein „weißer Elefant“ im Raum, der nicht ganz negiert werden darf. In China besteht nach wie vor so gut wie keine Grundimmunität in der Bevölkerung, und auch die chinesischen Impfstoffe sind bisher nicht durch eine große Leistungsfähigkeit auf-gefallen. Somit ist in den kommenden Monaten in China ebenfalls mit einer Omikron-Welle und mit erneuten und sehr weitreichenden Lockdowns zu rechnen, die auch der Weltwirtschaft erneut wehtun werden. Aber auch dies wird eher eine temporäre Belastung sein. Wir bleiben also dabei: Es gibt viele gute Gründe anzunehmen, dass das Jahr 2022 in die Geschichtsbücher als das Jahr eingehen wird, in dem die Corona-Pandemie ihr Ende nahm.

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Christian Jasperneite

Autor: Dr. Christian Jasperneite

Dr. Christian Jasperneite studierte an der Universität Passau VWL und promovierte anschließend an der Universität Passau am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Harvard University begann er im Jahr 2000 als Analyst im Makro-Research von M.M.Warburg & CO. Seit Anfang 2009 ist Dr. Jasperneite Chief Investment Officer bei M.M.Warburg & CO und verantwortet dort u.a. Fragen der strategischen und taktischen Allokation sowie der Portfoliokonstruktion und der Produktentwicklung.

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