Was „Krieg der Sterne“ mit den Kapitalmärkten zu tun hat

Können Sie sich noch an „Krieg der Sterne“ erinnern? Was dieser Film mit der heutigen Situation an den Kapitalmärkten zu tun hat? Eine ganze Menge.

Der erste Film der Star-Wars-Saga erschien 1977 und war ein absoluter Kassenschlager. 1980 erschien dann Teil Zwei, „Das Imperium schlägt zurück“, der nicht weniger erfolgreich war und später zum besten Film aller Zeiten gewählt wurde. Inhaltlich geht es darum, dass eine Allianz um die beiden Helden Captain Han Solo und Commander Luke Skywalker gegen die bösen imperialen Streitkräfte kämpft, die von dem übermächtigen Darth Vader befehligt werden.

Gut gegen Böse: Der große Kampf mit Wörtern

Uns erinnert das Gebaren Donald Trumps und sein Umgang mit dem Präsidenten der US-amerikanischen Notenbank Jerome Powell in gewisser Weise an den damals verfilmten epochalen Kampf zwischen Gut und Böse.

Will nicht erneut Darth Vader, alias Donald Trump, Luke Skywalker, alias Jerome Powell, auf die dunkle Seite der Macht ziehen?

Statt mit Lichtschwertern wird heute jedoch mit Worten gekämpft. So erhöht der US-Präsident fast täglich den Druck auf den Chef der Federal Reserve, um diesen dazu zu bewegen, möglichst schnell und deutlich die Zinsen zu senken. Kommt die Notenbank dieser Forderung nicht nach, droht der US-Präsident unverhohlen damit, Powell zu entlassen, weil dieser einen schlechten Job gemacht habe. Während andere Notenbanken ihre Geldpolitik einsetzten, um ihre Währungen zu schwächen und sich damit ungerechtfertigte Vorteile gegenüber den USA zu verschaffen, schaue die Fed diesem Treiben nur tatenlos zu.

Dabei hatte sich Trump während seines Wahlkampfs im Jahr 2016 noch darüber beschwert, dass die Notenbank die Zinsen künstlich zu tief halte, angeblich um damit US-Präsident Obama zu helfen. Janet Yellen, die damals die Fed führte, solle sich schämen, schließlich schade ihre Geldpolitik den US-Bürgern, die für ihr Erspartes keine Zinsen mehr bekämen.

 

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Trump und die Zinsen: Ein großes Hü und Hott

Hätte sich Donald Trump über die Zinserhöhungen seiner Notenbank während seiner Amtszeit nicht eigentlich freuen sollen? Zumal er mit seiner Politik der Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen im vergangenen Jahr selbst die meiste Munition für höhere Leitzinsen geliefert hat. Während der Rest der Welt unter dem von ihm initiierten Handelsstreit litt, war in den USA bis Ende des vergangenen Jahres die Welt unter Wachstumsgesichtspunkten noch in Ordnung. Von daher gab es für die Notenbank auch gute Gründe, die Zinsen weiter zu erhöhen. Zumal ein wichtiges Ziel der Notenbank immer darin bestand, mit höheren Zinsen Handlungsfähigkeit für den Fall einer konjunkturellen Abschwächung zurückzuerlangen. Dies scheint nun der Fall zu sein.

Wirtschaft in den USA: weitere Wachstumsverlangsamung ist wahrscheinlich

Denn mittlerweile haben sich auch in den USA viele konjunkturelle Frühindikatoren abgeschwächt. Einkaufsmanagerindizes, Auftragseingänge und Industrieproduktion haben seit Ende vergangenen Jahres den Rückwärtsgang eingelegt. Das Wirtschaftswachstum betrug im ersten Quartal 2019 zwar noch mehr als drei Prozent, doch war dies vor allem auf einige Sonderfaktoren zurückzuführen. Im zweiten Quartal dürfte es bei nur noch zwei Prozent liegen, und eine weitere Wachstumsverlangsamung im Verlauf des Jahres ist wahrscheinlich. Noch spricht zwar nichts für eine Rezession, doch eine ausbleibende Einigung im Handelsstreit mit China würde den Abwärtsdruck auf die US-Wirtschaft erhöhen.

Immun gegen eine globale Wachstumsschwäche sind die USA nämlich nicht.

Kommt Leitzinssenkung von 50 Basispunkten?

Deswegen werden Jerome Powell und seine Kollegen den Leitzins wohl schon am 31. Juli senken. Schließlich ist auch die Inflationsrate auf 1,5 Prozent gesunken, und in den kommenden Monaten wird sie noch niedriger ausfallen. Aus diesem Grund spricht aus unserer Sicht vieles für eine Zinssenkung von 50 Basispunkten, da aufgrund des vergleichsweise geringen Zinssenkungsspielraums ein schnelles und beherztes Eingreifen der Notenbank sinnvoll ist.

Zudem hat die Fed auch ihre letzten beiden Zinssenkungszyklen in den Jahren 2001 und 2007 mit großen Schritten von jeweils 50 Basispunkten begonnen. Eine solche Entscheidung würde vielleicht Fragen hinsichtlich der Unabhängigkeit der Fed aufwerfen, weil man unterstellen könnte, dass sie sich schlussendlich dem Druck des Präsidenten beugt. Allerdings halten wir dieses Argument für wenig valide, weil es bereits jetzt so aussieht, als ob sich die Geldpolitik „hinter der Kurve“ befindet. Trump könnte zwar triumphieren, möglicherweise hat er aber mit seinem Verhalten sogar eine frühere Zinssenkung der Fed verhindert.

Aber nicht nur in den USA, auch in der Eurozone stehen die Zeichen auf Zinssenkung

Mario Draghi, oder in Analogie zu den Star-Wars-Filmen, Han Solo, hat auf seiner im portugiesischen Sintra gehaltenen Rede keinen Zweifel daran gelassen, wohin die Reise bei den Zinsen gehen wird. Ähnlich deutlich wie 2012 mit seiner legendären „Whatever it takes“-Rede hat er für das weitere Vorgehen der EZB klare Pflöcke eingeschlagen: Ohne eine Verbesserung der Konjunkturdaten und gleichzeitig höhere Inflationsraten wird die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter lockern.

Schon auf der nächsten Sitzung am 25. Juli, aber wohl spätestens am 12. September, könnte sie die Entscheidung treffen, den Einlage- und den Leitzins um 10 Basispunkte zu reduzieren Zudem halten wir es für sehr wahrscheinlich, dass das Anleiheaufkaufprogramm wieder aufgenommen wird.

Was bedeutet dies für Anleger?

  1. Die EZB hat angekündigt, den Leitzins mindestens bis Sommer 2020 nicht zu erhöhen. Wir gehen sogar davon aus, dass die Zinsen noch deutlich länger nicht erhöht werden. Deshalb werden auch die Kapitalmarktrenditen nicht steigen, sondern zunächst weiter fallen.
  2. Wir reduzieren unsere Zinsprognose für 10-jährige Bundesanleihen zum Jahresende auf -0,40 Prozent und für 10-jährige US-Tresauries auf 1,75 Prozent.
  3. Unter diesen Voraussetzungen ist es sinnvoll, die Dauer eines Anleihenportfolios zu verlängern. Die Aussage, dass sich wegen der niedrigen Zinsen mit Anleihen kein Geld verdienen lasse und sich aus diesem Grund nur Aktien lohnen („TINA“: There is no alternative), ist schlichtweg falsch. Sinkt die Rendite einer 10-jährigen Anleihe von -0,3 auf -0,5 (-1,0) Prozent, ergibt sich binnen eines Jahres eine positive Wertentwicklung von 1,8 (7,1) Prozent.
  4. Eine traditionelle Buy-and-Hold-Anlagestrategie macht bei negativen Renditen keinen Sinn, damit betreibt man aktive Wertvernichtung. Aktives Management ist gefragt.
  5. Kapitalmarktaffine Fans von „Das Imperium schlägt zurück“ müssen sich keine Sorgen machen: Im Unterschied zum Film, in dem Darth Vader zum Schluss Luke Skywalker offenbart, sein Vater zu sein, ist dies bei Trump und Powell unmöglich: der Altersunterschied der beiden beträgt nur sieben Jahre.

 

 

 

 

 

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