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Was ist eine Vermögensverwaltung?

Wer heutzutage ordentliche Renditen erzielen möchte, kommt um Aktien nicht herum. Das Investment in Aktien verlangt aber häufiger und schneller auf Veränderungen zu reagieren. Eine Buy and Hold – Strategie funktioniert dann nicht mehr. 

Der Druck unter Anlegern, angesichts der niedrigen Zinsen ordentliche Erträge zu erzielen, hat merklich zugenommen. Anders als früher, als beispielsweise Bundesanleihen eine ansehnliche Rendite, Sicherheit und Liquidität brachten, können sie diese Funktion in dem aktuellen Umfeld nicht mehr erfüllen. Die Renditen sind unattraktiv, es drohen Verluste bei steigenden Zinsen und die Liquidität ist durch die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank („EZB“) stark eingeschränkt. Zudem müssen wir davon ausgehen, dass die Zinsen noch viele Jahre auf einem niedrigen Niveau bleiben werden, da die EZB stark darauf achten muss, eine Rückkehr der europäischen Schuldenkrise zu verhindern. Das gelingt am besten, wenn Staaten sich günstig finanzieren können, denn dann sind sogar hohe Schulden tragbar. Genau aus diesem Grund kann die Europäische Zentralbank kein Interesse an deutlich steigenden Zinsen haben – für Investoren eine schlechte Nachricht. Denn Anleihen erfüllen in Portfolios meist die Funktion eines sicheren Hafens. Doch dieser sichere Hafen wird in Zukunft voraussichtlich nur noch wenig Performance „liefern“ können.

Investoren haben verschiedene Möglichkeiten darauf zu reagieren. Sie können das angestrebte Risiko behalten und dafür die Renditeerwartung nach unten anpassen. Oder Sie gehen ein höheres Risiko ein, um auf die gleiche Rendite zu kommen wie zuvor.

Ein höheres Risiko und das Investment in Aktien verlangt, häufiger und schneller auf Veränderungen zu reagieren.

Im zweiten Fall bedeutet das Investments in Anlagen außerhalb der Währungsunion, wo die Wirtschaft in den kommenden Jahren wohl schneller wachsen wird, zum Beispiel in den Vereinigten Staaten oder den Emerging Markets. Aber auch innerhalb der Währungsunion gibt es Möglichkeiten: Staatsanleihen aus Spanien, Irland, Belgien und Portugal sind vergleichsweise attraktiv. Und natürlich gehören Aktien ins Portfolio.

Eine reine Kaufen-und-Halten Strategie funktioniert dann aber nicht mehr. Ein höheres Risiko und das Investment in Aktien verlangt, häufiger und schneller auf Veränderungen zu reagieren, ein breitere Streuung und die Vermögensanlage taktisch anzupassen, um Verluste zu vermeiden – und genau das macht eine Vermögensverwaltung.

Was ist eine klassische Vermögensverwaltung?

Bei einer Vermögensverwaltung trifft der Portfoliomanager Anlageentscheidungen für das Vermögen des Kunden. Diese Dienstleistung wird auch Wealth oder Asset Management genannt. Dazu eröffnet der Kunde ein Vermögensdepot bei einer Depotbank und gibt dem Vermögensverwalter eine Vollmacht auf das Depot, im Rahmen derer er Käufe und Verkäufe für den Kunden tätigen kann. Den Rahmen setzt die individuelle Anlagestrategie des Kunden, die z.B. Maximalgrößen für Aktienquoten vorgibt.

Vermögensverwaltung steht für eine individuelle und aktiv gemanagte Form der Geldanlage:

  • Hoch diversifiziertes Portfolio: In der Vermögensverwaltung investiert der Anlegerin viele verschiedene Anlageklassen. Die Produktauswahl erfolgt dabei nicht durch den Kunden, sondern durch den Vermögensverwalter, der bei der Wahl der Produkte unabhängig ist.
  • Laufende Portfolioanpassung: Das Portfolio, das heißt die Aufteilung des Vermögens, wird laufend an die Marktsituation angepasst.
  • Individuelle Anlagestrategie: Da die Risikoneigung bei Anlegern unterschiedlich ist, sind auch die Strategien auf die persönlichen Anlagewünsche abgestimmt.

Klassischerweise besteht das Portfolio bei einer Vermögensverwaltung aus Einzelwerten, das heißt einzelnen Aktien, Anleihen oder Direktinvestments in Rohstoffe.

Ziel der Vermögensverwaltung ist es, das Wertpapierportfolio des Kunden unter Berücksichtigung seiner persönlichen Risikobereitschaft und seiner Lebensplanung zu optimieren.

Was sind die Unterscheide zu anderen Finanzdienstleistungen?

Die folgende Tabelle stellt die gängigsten Anlageformen gegenüber. Festgelder als Anlagen in risikoarme Anleihen erfüllen wie oben dargestellt aufgrund des heutigen Niedrigzinsniveaus vielfach nicht die Renditeerwartung von Anlegern. Im Gegensatz zu einem Fonds wird das Portfolio bei der Vermögensverwaltung entsprechend der persönlichen Bedürfnisse des Kunden zusammengestellt und gemeinsam eine Anlagestrategie entwickelt. Auch das vertragliche Konstrukt ist anders: Während der Kauf eines Fondsanteils ein Abschlussgeschäft darstellt (das einmal getätigt wird), wird die Vollmacht für den Vermögensverwalter nicht gekauft bzw. verkauft, sondern der Vermögensverwalter wird mandatiert. Das unterscheidet ihn auch vom Anlageberater, der in der Regel per transaktionsabhängiger Provision bezahlt wird. Daneben besteht der Unterschied zur Anlagerberatung aber auch in der laufenden Überwachung und Anpassung des Portfolios anstelle einer einmaligen Betrachtung.

Was ist eine Vermögensverwaltung

Wertpapier Dienstleistungen im Vergleich

Vermögensverwaltung für institutionelle Kunden und Privatpersonen

Die meisten Versicherungsgesellschaften,  Stiftungen, Pensionskassen oder staatliche Institutionen lassen ihr Geld von professionellen Asset Managern verwalten.  Daneben nutzen vermögende Privatpersonen diese Dienstleistung, um ihr Vermögen zu sichern und weiter zu vermehren.

Für ein erfolgreiches Portfoliomanagement ist neben einem umfangreichen Know-how zu Kapitalmärkten auch viel Zeit notwendig. Einerseits um vielversprechende Wertpapiere mit einem guten Ertrags- und Risikoprofil zu finden und andererseits, um Märkte und Risiken zu überwachen und um auf Neuigkeiten bzw. unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren. Das Portfoliomanagement besteht meist aus Volkswirten, Unternehmensanalysten, Risikomanagern und Mathematikern. Dieser Service ist sehr zeit- und kostenintensiv und deshalb in der Regel erst ab Anlagebeträgen von über 1. Mio. Euro zugänglich.

Was ist eine digitale Vermögensverwaltung?

Bei der digitalen Vermögensverwaltung profitiert der Kunde von den Vorteilen der Digitalisierung.

Bei einer digitalen Vermögensverwaltung erfolgt die gesamte Produktinformation und die Ermittlung der Anlagestrategie auf Basis der Anlagewünsche online. Ebenso der Vertragsabschluss und die abschließende Kunden-Identifizierung. Wie bei der klassischen Vermögensverwaltung werden laufend durch den Portfoliomanager Anlageentscheidungen getroffen. Diese erfolgen bei der stärker auf Basis von Algorithmen und quantitativen Modellen, wie sie auch bei institutionellen Kunden zum Einsatz kommen. Moderne Technologien ermöglichen eine konstante Überwachung der einzelnen Anlegerdepots, um so Risikokennzahlen überprüfen und steuern zu können.

Transparenz auf Kostenseite und in den Anlegerdepots

Die Kosten sind für den Anleger einfach und transparent nachvollziehbar. Ebenso kann er nahezu in Echtzeit die Bewegungen seines Depots, die getätigten Transaktionen und die Portfoliozusammensetzung nachverfolgen. So behält der Kunde den Überblick über sein Portfolio und kann die Anlageentscheidungen des Portfoliomanagers nachvollziehen.

Anders als bei der klassischen Vermögensverwaltung wird überwiegend in Fonds investiert. Die Wahl von Fonds anstelle einzelner Aktien oder Anleihen ermöglicht eine breite Verteilung der Risiken auf eine Vielzahl von Wertpapieren auch bei kleineren Portfolios.

Durch digitale Prozesse und einen hohen Automatisierungsgrad sind Kostenersparnisse möglich, ohne dass sich das Nutzererlebnis verschlechtert. Ganz im Gegenteil: Anleger können mit einem vergleichsweise kleinen Anlagebetrag eine Vermögensverwaltung nutzen, die bisher nur sehr vermögenden Privatkunden zugänglich war.

Fazit

Für Renditechancen kommen Anleger um Aktien nicht mehr herum. Diese sind riskanter als Anleihen, da sie höheren Wertschwankungen unterliegen. Deshalb gilt es das Portfolio aktiv zu steuern, um Verluste möglichst zu vermeiden. Die meisten Privatanleger haben dazu weder das Fachwissen noch die Zeit, weswegen vermögende Privatkunden schon lange professionelle Vermögensverwaltungen nutzen. Der Sinn einer Vermögensverwaltung besteht darin, eigenes Geld durch Experten verwalten zu lassen. Die Anlageentscheidung wird einem Portfoliomanager mit Unterstützung moderner Technologie überlassen. Dadurch werden eigene emotionale Reaktionen auf die Finanzmarktentwicklung vermieden und viel Zeit gespart, da sämtliche Anlageentscheidungen übernommen werden.

Autorin: Bente Lorenzen

Bente Lorenzen studierte Betriebswirtschaftslehre an der Wilhelms-Universität in Münster mit dem Schwerpunkt Finance (M.Sc.). Nach Praktika bei Ernst & Young und der UniCredit AG begann sie 2015 als Trainee bei M.M.Warburg & CO. Seit Ende 2016 verstärkt sie das Investmentoffice Team und ist dort für die Konzeption und Entwicklung der digitalen Vermögensverwaltung verantwortlich.

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