US-Wirtschaft und Aktienmarkt auf Rekordjagd: Wie Anleger sich jetzt aufstellen sollten

Die US-Wirtschaft wird mit seinem aktuellen Wirtschaftsaufschwung, der im Juni 2009 begann, im Juni 2019 mit 121 Monaten Wachstum einen neuen Rekord aufstellen. Aus Anlegersicht lässt sich damit eine ganz wichtige Botschaft verbinden: Solange es absehbar zu keiner Rezession kommt, solange sollte man sich nicht zu defensiv aufstellen. Mittlerweile haben die US-Indizes ihre im Herbst 2018 aufgestellten Rekorde nahezu erreicht, wie wird es weitergehen? Unsere Vermutungen über die Entwicklungen der Indizes erfahren Sie hier.

US-Wirtschaft 2018 stärker gewachsen als 2017

Im Unterschied zu den meisten anderen Ländern ist die US-Wirtschaft im Jahr 2018 stärker gewachsen als es 2017 der Fall war. Das reale Bruttoinlandsprodukt wuchs mit einer Rate von 2,9 Prozent und erreichte damit fast Donald Trumps Wunschgröße von drei Prozent. Und Trump wäre nicht Trump, wenn er mit der US-Notenbank nicht gleich auch einen Schuldigen parat hätte, der Schuld daran trägt, dass es mit seinem „Wachstumsversprechen“ nicht ganz geklappt hat.

Dass sich die USA mit ihrer wirtschaftlichen Entwicklung vom Rest der Welt abkoppeln konnten, lag vor allem an zwei Dingen: Zum einen an der Steuerreform, die die Unternehmen steuerlich deutlich entlastet hat. Dies hat dazu beigetragen, dass viele Firmen neue Jobs geschaffen haben, womit der fiskalische Impuls von den Unternehmen auf die Konsumenten übertragen wurde. Und zum anderen wirkten sich die von Trump angezettelten Handelsstreitigkeiten der USA mit China, Mexiko, Kanada und anderen Ländern in erster Linie auf exportorientierte Volkswirtschaften wie die Eurozone, Japan und viele Schwellenländer negativ aus, nicht aber auf die USA selbst.

Wirtschaftswachstum in 2019 deutlich schwächer?

Denn für die USA als „große“ Volkswirtschaft spielt die Binnennachfrage die entscheidende Rolle für das Wirtschaftswachstum und nicht der Außenhandel. Somit wird es in diesem Jahr darauf ankommen, ob der private Verbrauch, auf den rund 70 Prozent der gesamten US-Wirtschaftsleistung entfällt, weiter wachsen wird. Zwar hat auch in den USA die Konjunkturdynamik in den letzten Monaten abgenommen, dennoch deuten die Indikatoren derzeit nicht darauf hin, dass es 2019 zu mehr als nur zu einer moderaten Wachstumsverlangsamung kommen wird.

 

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USA 2019: Konsum, Einzelhandel, Arbeitsmarkt, Einkommen

Obwohl sich der Konsum seit Ende letzten Jahres deutlich schwächer entwickelt als es zuvor der Fall war, spricht dennoch vieles dafür, dass sich der private Verbrauch in den kommenden Monaten wieder erholen wird. Die Zuwachsrate der Einzelhandelsumsätze, die im Sommer vergangenen Jahres noch mehr als sechs Prozent betrug, lag im Februar bei nur noch zwei Prozent, wobei sich die Abschwächung quer über alle Segmente des Einzelhandels zieht.

Dank des boomenden Arbeitsmarktes gibt es jedoch mehr Jobs als je zuvor, sodass auch die Löhne stärker ansteigen. Da die verfügbaren Einkommen mit einem jährlichen Zuwachs von mehr als vier Prozent stärker angestiegen sind als die Konsumausgaben, haben sich die US-Amerikaner ein verhältnismäßig dickes Polster an Ersparnissen zugelegt. Überhaupt ist festzustellen, dass die US-amerikanischen Privathaushalte finanziell äußerst robust dastehen.
Dies liegt zum einen daran, dass die Schulden im Verhältnis zum Einkommen so niedrig sind wie es zuletzt 2001 der Fall gewesen ist. Zum anderen, und das ist noch wichtiger, ist der Schuldendienst, also der Anteil von Zinsen und Tilgungen am verfügbaren Einkommen, mit weniger als zehn Prozent so gering wie selten zuvor – der US-Notenbank sei Dank. Zumindest von den Privathaushalten geht also keinerlei Risiko für eine neue Krise aus.

US-Wirtschaft: Wirtschaftsaufschwung oder Rezession?

Eine neue Rezession ist von daher für die USA im Moment nicht in Sicht. Damit ist es sicher, dass der gegenwärtige Wirtschaftsaufschwung, der im Juni 2009 begann, im Juni 2019 mit dann 121 Monaten Wachstum einen neuen Rekord aufstellen wird. Der bisher längste Aufschwung in der jüngeren US-Geschichte fand von März 1991 bis Februar 2001 statt.

Was bedeutet die Entwicklung in USA für deutsche Anleger?

Aus Anlegersicht lässt sich damit eine ganz wichtige Botschaft verbinden: Solange es absehbar zu keiner Rezession kommt, solange sollte man sich nicht zu defensiv aufstellen.

Dies ist auch der Hauptgrund für die sehr gute Wertentwicklung an den Aktienmärkten, die seit Jahresbeginn zu beobachten ist. Kam es aufgrund der Sorge vor einer starken wirtschaftlichen Abschwächung vor allem bei Aktien mit einem sehr starken Konjunkturbezug (Zykliker) im vierten Quartal 2018 zu prozentual zweistelligen Kursverlusten, waren diese umgekehrt die großen Gewinner des Jahres 2019.

Mittlerweile haben die US-Indizes ihre im Herbst 2018 aufgestellten Rekorde nahezu erreicht, und wir halten es für wahrscheinlich, dass die Indizes weiter ansteigen werden. Nicht nur die US-Wirtschaft, auch der US-Aktienmarkt steht also vor einem neuen Rekord. Das dürfte dann auch andere Börsen mitziehen. Selbst wenn sich die globale Wirtschaft schwächer entwickelt als es 2018 der Fall gewesen ist, befindet sie sich nicht mehr im freien Fall. Vor allem die besseren Konjunkturdaten aus China deuten darauf hin, dass die eingeleiteten geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen Früchte tragen. Zwar ist nicht alles Gold, was im Reich der Mitte an Wirtschaftsdaten glänzt, doch dürfte die dort zu beobachtende Stabilisierung über kurz oder lang auch der Eurozone, Japan und vielen Schwellenländern zu Gute kommen.

Neben den besseren (oder weniger schlechten) Konjunkturdaten sollte der Aktienmarkt zudem von der Berichtssaison für das erste Quartal profitieren. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Quartalsergebnisse bereits berichtet haben, ist noch gering, dennoch ergibt sich schon ein recht deutliches Bild. So zeigt sich für die USA, dass es im Vergleich zum Vorquartal wieder mehr Unternehmen gelingt, die Gewinnerwartungen zu übertreffen.

Beim S&P 500 und dem Nasdaq 100-Index haben bisher rund 80 Prozent der Firmen die Ertragsprognosen übertroffen, in Q4 2018 lag dieser Wert nur bei gut 70 Prozent. Bei den Umsätzen ist der Anteil der positiven Überraschungen dagegen mit rund 50 Prozent deutlich niedriger als im Vorquartal bzw. im langjährigen Durchschnitt. Dies ist ein untrügerisches Signal dafür, dass sich die Konjunktur abgeschwächt hat. In Europa haben bislang nur wenige Unternehmen ihre Bücher geöffnet. Die sehr kleine Stichprobe zeigt wie in den USA, dass die positiven Gewinnüberraschungen überwiegen und zudem auch die Umsatzzahlen besser als erwartet ausfallen.

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Autor: Carsten Klude

Carsten Klude studierte nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank VWL mit Schwerpunkt Ökonometrie in Kiel. 1996 kam er zu M.M.Warburg & CO, für die er zunächst die europäischen Kapitalmärkte analysierte und später mit der Leitung des Makro-Research betraut wurde. Seit dem Jahr 2009 ist Herr Klude Mitglied im Investmentrat von M.M.Warburg & CO und verantwortet seit dem Sommer 2013 das Asset Management der Bank. Zusätzlich ist Herr Klude seit dem Jahr 2010 Mitglied im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbandes deutscher Banken e.V., dessen Vorsitz er von 2015 bis 2018 inne hatte.
Bildcredit: Maciej Bledowski / photocase.de