Geld ist für Multimillionär Jan Henric Buettner kein Selbstzweck, sondern eingefrorenes Zukunftspotenzial.

Tech-Manager Jan Henric Buettner: „Unserer Gesellschaft entgehen viele Chancen“

Mit Ende 30 war der Tech-Manager Jan Henric Buettner auf einen Schlag reich und hätte nicht mehr arbeiten müssen. Doch das war nie sein Ziel.

Das Geheimnis des Erfolges

Herr Buettner, Sie haben Ihre Karriere als Internet-Unternehmer gestartet und sind, nachdem Sie AOL in Europa aufgebaut hatten, als Venture Capital Investor ins Silicon-Valley gezogen. Warum haben Sie sich dann mit Anfang Vierzig für eine neue zusätzliche Karriere als Hotelier entschieden? Welche Rolle hat die millionenschwere Abfindung von AOL dabei gespielt?

Geld habe ich nie als Selbstzweck, sondern immer nur im Sinne eingefrorenen Zukunftspotenzials gesehen. Deshalb war und ist es für mich nicht sinnstiftend, Nullen zu zählen. Zudem wird jede Tätigkeit, der man längere Zeit nachgeht irgendwann zur Routine – dann sollte wieder eine neue Phase kommen. 2006 war es dann mal wieder soweit für mich – ausgelöst durch die Gelegenheit, ein 400 Jahre im Besitz einer aristokratischen Familie befindliches Schlossgut an der Ostseeküste zu erwerben.

In anderen Interviews haben Sie einmal gesagt, dass Geld für Sie Unabhängigkeit bedeutet. Würden Sie das heute immer noch sagen? Und wie unabhängig fühlen Sie sich mit ihrem „Grand Village Ressort Weissenhaus“?

Gleich zu Beginn dieser weiteren Phase haben sich natürlich erstmal neue Abhängigkeiten in alle möglichen Richtungen gebildet, an deren Auflösung ich in den vergangenen 12 Jahren hart gearbeitet habe. Ich würde sagen, dass ich mich inzwischen wieder zu 80 Prozent unabhängig fühle, mit steigender Tendenz in Richtung 100 Prozent.

Reizt Sie Weissenhaus noch, oder erfinden Sie sich erneut neu und starten eine weitere Karriere?

An Weissenhaus reizt mich, dass es diese fast philosophisch anmutende Chance in sich birgt, alles vereinnahmen zu können: Geld, Zeit, Aufmerksamkeit, Unsicherheit, Status, Selbstverwirklichung, Geliebtwerden, Endlosigkeit, Visionen und nicht zuletzt auch posthume Lösungsansätze. Ich würde diese Phase als meine bereits sechste Karriere bezeichnen, insofern habe ich keinen Bedarf an weiteren großen Würfen. Mein Fokus der kommenden Jahre wird eher darauf liegen, mich würdevoll von dem Erreichten zu verabschieden, und mein Lebenswerk geordnet auf die nächste Generation zu übertragen.

 

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Motivation

Hatten Sie in Ihrer Jugend einen Traum davon, was Sie später einmal werden wollten? Was motiviert Sie?

Einen konkreten Traum oder eine Vorstellung davon, was ich in meinem Leben erreichen wollte, hatte ich nie – nur das abstrakte, aber von mir dann vehement verfolgte Ziel einer möglichst hohen Unabhängigkeit. Diese habe ich nach jedem gelungenen großen Wurf wieder aufs Spiel setzen müssen, um mich in der nächsten Phase dann wiederum neu zu erfinden. Dieses Streben nach Autonomie und Unabhängigkeit hat mich stets motiviert, weshalb ich auch keine konkreten Vorbilder nennen kann.

Erfolg und Misserfolg: Tipps des Multimillionärs

Worauf sollten Menschen achten, wenn Sie „plötzlich vermögend“ sind?

Vor allem darauf, nicht aus den Augen zu verlieren, was sie eigentlich erreichen wollten – gewissermaßen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.

Welche von Ihren Eigenschaften haben Sie bislang am meisten gebraucht – welche von Ihren Eigenschaften macht Sie erfolgreich?

Ganz klar: Mir trotz Enttäuschungen und Rückschlägen immer wieder die Naivität zu bewahren, und in geschäftlichen Belangen dieselbe Integrität an den Tag zu legen, die mir auch als Eigenschaft im privaten Umfeld am Wichtigsten ist.

Was war Ihr größter Fehler?

Auch an Fehlern hat es bei mir nicht gemangelt. Diese aufzuzählen, und daraus den „Größten“ heraus zu filtern macht deswegen für mich keinen Sinn, weil ich das Leben insgesamt als Prozess sehe, Fehler zu machen, daraus zu lernen, und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Weil gerade in Deutschland der Fokus viel zu sehr darauf liegt, Menschen anhand ihrer Fehler zu brandmarken, entgehen unserer Gesellschaft hier meiner Meinung nach viele Chancen.

Chancen und Zukunftspläne

Wie gehen Sie mit Ihrem Vermögen um? Investieren Sie alles in neue Projekte und Ventures? Nutzen Sie eine Vermögensverwaltung?

Ich versuche eine gute Mischung hinzubekommen: Selbst das zu machen, was ich wirklich gut kann, und die restlichen Dinge dann den jeweiligen Profis zu überlassen. Dennoch kann man sich natürlich auch nicht darauf verlassen, dass andere „den Job“ für einen machen, insofern geht es auch in diesem Bereich nicht ohne ständige Detailkontrolle.

Denken Sie manchmal über den Ruhestand nach?

„Ruhestand“ ist für mich kein Lebensziel – eher ein Zustand, den man sich nach einer von mehreren aktiven Lebensphase gönnen sollte.

Dabei sehe ich das Leben grob in 12 Sieben-Jahres-Phasen aufgeteilt, wovon die ersten und letzten beiden Phasen jeweils dem physischen Auf- und Abbau dienen. Bis Ende 20 sollte man insoweit Gas geben, dass man das Niveau der selbst gesteckten persönlichen Lebensziele dann in den 30er und 40er Lebensjahren auch erreichen, und in den 50er und 60er Lebensjahren genießen kann. Vor diesem Hintergrund werden für mich zunehmend nicht-monetäre Dinge in den aktiven Vordergrund treten.

Herr Buettner, vielen Dank für das Gespräch.

Auch 3-Sternekoch Kevin Fehling hat es mit seinem Restaurant The Table Kevin Fehling in der Hamburg Hafen-City geschafft. Er ist erfolgreich. Weshalb ihm der Erfolg gelingt, und andere scheitern? Lesen Sie hier mehr.

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