nachhaltig Investieren

Nachhaltiges Investieren: Wie legt man Geld Greta-gerecht an?

In diesem Bericht greifen wir den Artikel vom Oktober 2019 auf, in welchem wir uns kritisch mit dem Thema der nachhaltigen Geldanlage auseinandergesetzt haben. Wir zeigen auf, wie unser Prozess für nachhaltige Anlagestrategien aussieht und kommen damit von der Metaebene auf die konkrete Umsetzung im Portfoliomanagement.

Nachhaltigkeitsphilospie im Portfoliomanagement

Im Portfoliomanagement beschäftigen wir uns bereits seit vielen Jahren mit dem Thema der nachhaltigen Kapitalanlage. Durch die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl an Stiftungen und kirchlichen Institutionen, die bereits sehr früh nachhaltige Aspekte in ihren Anlagerichtlinien verankert haben, ist das Thema schon seit geraumer Zeit bei uns präsent, und nicht erst seitdem das mediale Interesse in den letzten Monaten und Quartalen exponentiell gestiegen ist. Dabei haben wir unsere Nachhaltigkeitsphilosophie in den letzten Jahren immer weiter verfeinert und verfügen nunmehr über eine Reihe von nachhaltigen Anlagestrategien, die in entsprechenden Kundenportfolien umgesetzt werden. Aus unserer Sicht ist es höchste Zeit, dass sich Banken und Vermögensverwalter intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen, denn mittlerweile nimmt auch der Druck von regulatorischer Seite zu.

So hat die EU-Kommission einen Aktionsplan für nachhaltige Finanzen ins Leben gerufen, der aktuell in Gesetzesvorschläge gegossen wird.

Dieser hat das Potenzial, ein seismisches Beben in der Finanzindustrie auszulösen, da sämtliche Asset Manager in der EU dazu verpflichtet werden, Nachhaltigkeitskriterien in ihren Investmentprozess aufzunehmen und Kunden neben der Wertentwicklung auch die Ausrichtung ihrer Kapitalanlage in Hinblick auf nachhaltige Aspekte transparent zu machen.

Beim Anwenden von Nachhaltigkeitskriterien in der Geldanlage befindet man sich im Spagat zwischen der „Striktheit“ der Nachhaltigkeitskriterien und der Größe des Anlageuniversums. Wählt man einerseits zu restriktive Kriterien bei der Auswahl von Unternehmen und Staaten, so kann das Anlageuniversum auf einen Bruchteil des Ausgangsuniversums zusammenschrumpfen und damit eine effektive und diversifizierte Portfolioallokation unmöglich machen.

Von daher sollten die Kriterien so gesetzt werden, dass daraus keine inhärenten Performanceeinbußen durch eine suboptimale Portfoliokonstruktion entstehen.

Auf der anderen Seite führt der zunehmende Fokus der Kapitalmarktteilnehmer auf das Thema Nachhaltigkeit mehr und mehr dazu, dass die Aktien der Unternehmen, die als besonders nachhaltig angesehen werden, sich einer immer größeren Nachfrage ausgesetzt sehen. Forciert wird dies durch die Vielzahl an neu aufgelegten Nachhaltigkeitsfonds und -ETFs. Zwar sind die Ansätze dieser Fonds oft unterschiedlich, jedoch gibt es eine Schnittmenge der Unternehmen, die nach den jeweiligen Systematiken als nachhaltig gelten. Dies spräche wiederum für einen tendenziell strengen Nachhaltigkeitsfilter, da das Kurspotential solcher Unternehmen aufgrund der hohen Nachfrage besonders groß ist.

 


 


Die drei wesentliche Komponenten in unserem Nachhaltigkeitsuniversum

Wir arbeiten bei unserem Auswahlverfahren für nachhaltige Anlagen eng mit MSCI, einem der führenden Anbieter für Nachhaltigkeitsresearch, zusammen. Durch den Bezug des Nachhaltigkeitsresearches von MSCI sind wir in der Lage, eine Vielzahl von Unternehmen und Staaten aufgrund diverser Nachhaltigkeitsaspekte zu beurteilen. Auf dieser Basis haben wir eine mehrstufige und transparente Methodik entwickelt, bei der wir aufgrund unterschiedlicher Maßstäbe zunächst zwischen Unternehmen und Staaten differenzieren.

Bei unserer Nachhaltigkeitsmethodik für Unternehmen verwenden wir einen mehrstufigen Filter, der drei wesentliche Komponenten berücksichtigt und in unserem Nachhaltigkeitsuniversum mündet.

Schritt eins: Ausschluss von Unternehmen in kontroversen Geschäftsfeldern

Wir schließen grundsätzlich Unternehmen aus, welche in kontroversen Geschäftsfeldern aktiv sind. Diese beinhalten zum Beispiel Geschäftsaktivitäten in den Bereichen Waffen, Atomenergie, Tabak, Glücksspiel und genveränderte Organismen. Es ist unseres Erachtens nach jedoch wichtig, hierbei mit Umsatzschwellen zu arbeiten. Ein gutes Beispiel für die Sinnhaftigkeit hierfür ist SAP. So weist der Softwarehersteller gemäß MSCI Aktivitäten im Bereich Verteidigung und Waffen auf. Nun ist allgemein bekannt, dass SAP kein Waffenhersteller ist. Eine tiefere Analyse der Unternehmensaktivitäten zeigt aber, dass SAP ein knappes Prozent der Umsätze im Bereich Dienstleistungen und Support Systeme für das Militär erzielt. Aus diesem Grund ergibt es Sinn, für einige Ausschlusskriterien Toleranzgrenzen in Bezug zum Gesamtumsatz festzulegen. Bei bestimmten Geschäftsaktivitäten wie beispielsweise kontroverse Waffen (Streubomben, Landminen) ist es uns jedoch wichtig, mit einer strikten Nulltoleranz zu arbeiten.

Schritt zwei: Ausschluss von Unternehmen welche tief greifende und/oder andauernde Kontroversen aufweisen

Dies bedeutet, dass diese Unternehmen beispielsweise gegen Menschenrechte verstoßen, die ILO-Erklärung über die Grundprinzipien und Rechte am Arbeitsplatz nicht respektieren oder auch die Vorgaben der UN Global Compact nicht einhalten. In diesem Schritt stehen also nicht nur die Geschäftsaktivitäten eines Unternehmens im Fokus, sondern vielmehr soziale Belange und die Art und Weise der Unternehmensführung. MSCI prüft kontinuierlich den Status der Kontroversen bei Unternehmen und teilt diese in vier Stufen auf, von welchen wir nur Unternehmen als Investment in Erwägung ziehen, die in den oberen beiden Stufen verortet werden und daher keine schwerwiegenden Kontroversen aufweisen.

Schritt 3: potenzielles Investment erfordert ein Mindestrating

Das dritte Kriterium für ein potenzielles Investment erfordert ein Mindestrating von BBB auf Basis des MSCI ESG-Ratings. Die Ratingskala reicht von AAA bis CCC und ist von der Interpretation ähnlich wie die der Anleihe-Ratings von S&P oder Fitch.

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Unsere Systematik in der Identifikation von Schlüsselthemen und Risiken

MSCI ESG-Ratings basieren auf der Identifikation von Schlüsselthemen und Risiken in Bezug auf Nachhaltigkeit und wie mit diesen umgegangen wird. So werden Unternehmen in ihrer jeweiligen Branche in Spitzenreiter, Durchschnitt und Nachzügler eingeteilt. Mit der Anwendung von MSCI ESG-Ratings beziehen wir daher auch einen sogenannten „Best-in-Class-Ansatz“ in unsere Systematik mit ein. Da wir nicht pauschal Unternehmen ausschließen wollen, die in als nicht nachhaltig geltende Sektoren eingruppiert sind, sondern die Unternehmen unterstützen wollen, die innerhalb des Sektors eine Vorreiterrolle einnehmen, erachten wir dies als sehr wichtig. Ein Beispiel hierfür ist der Öl & Gas Sektor, der gemeinhin als wenig umweltfreundlich gilt. In diesen Sektor fallen jedoch auch Unternehmen, die sich mit erneuerbaren Energien, wie Windenergie oder Biokraftstoffen, beschäftigen. Diese Unternehmen wollen wir nicht aus unserem Investment-Universum ausschließen, weshalb ein Best-in-Class Ansatz hier eine gute Lösung darstellt. Neben dem mehrstufigen Nachhaltigkeitsfilter für die Unternehmensauswahl achten wir bei der Portfoliokonstruktion natürlich auch weiterhin auf die klassischen Anlageziele wie Diversifikation, Qualität und Flexibilität der Kapitalanlage.

Bei unserer Nachhaltigkeitsmethodik für Staaten haben wir einen Filter entwickelt, der zusätzlich zum MSCI ESG-Rating weitere elf Kriterien betrachtet. Bei diesen Kriterien berufen wir uns auf global anerkannte Institutionen. Staatsanleihen von Ländern, die unseren Nachhaltigkeitskriterien nicht genügen, werden vom Kauf ausgeschlossen.

 


Wirtschaft 2020: Ein Silberstreif am Horizont, aber Risiken bleiben

Die letzten Jahre verliefen aus konjunktureller Sicht enttäuschend.Im Sommer 2019 sah es sogar danach aus, als ob einige Länder in eine Rezession rutschen könnten. Wie geht es 2020 weiter?

 


Sind ESG-Kriterien das Nonplusultra im nachhaltigen Portfoliomanagement?

Das Kriterium des ESG-Ratings schließt, analog zur Nachhaltigkeitsmethodik für Unternehmen, Staaten aus, die gemäß MSCI ein Rating ausweisen welches unter BBB liegt. Die weiteren elf Kriterien beinhalten unter anderem den Germanwatch-Klimaschutz-Index. Nur Staatsanleihen von Ländern, die besonderen Wert auf Klimaschutz legen, werden demnach für ein Investment in Betracht gezogen. Weitere Kriterien sind der Corruption Perception Index von Transparency International mit einem entsprechenden Schwellenwert, sowie verschiedene Indikatoren von Freedom House zu Bürgerrechten, politischen Rechten und Pressefreiheit. Ebenfalls einbezogen werden Indikatoren zur Legalität der Todesstrafe und der Höhe der Rüstungsausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt eines Staates.

Nach Anwendung des MSCI-Mindestratings und aller elf Kriterien verbleiben aktuell etwa ein Viertel aller Länder weltweit als investierbar.

Um aber nicht nur Unternehmen und Staaten auszuschließen, die nicht nachhaltig sind, sondern auch Investments zu allokieren, die einen aktiven positiven Beitrag leisten, investieren wir zudem in sogenannte Mikrofinanzfonds. Solche Fonds stellen ihr Fondskapital Mikrofinanzinstituten als Fremdkapital zur Verfügung. Das Kapital wird von den Mikrofinanzinstituten als Kleinstkredite an Menschen vergeben, die aufgrund ihrer Armut nicht von Banken bedient werden. Solche Fonds fallen mit dieser Strategie dadurch in den Bereich des Impact Investing. Sie stellen Fremdkapital zur Verfügung, um eine direkte soziale und ökologische Wirkung zu erzielen.

Viele Kunden bringen jedoch ihr eigenes Verständnis und ihre eigene Definition von Nachhaltigkeit mit. Daher ist es für uns wichtig, hier in den Dialog zu gehen und bei Bedarf mit den Kunden zusammen Kriterien zu bestimmen, die als Anlagerichtlinien für die Zusammenstellung des Portfolios gelten.

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