Kurz & knapp erklärt: Wie funktioniert die Börse?

Börse ist kein Mysterium, sondern ein eigenständiger Markt, auf dem nach bestimmten Regeln Preise für Waren, Wertpapiere und Devisen ausgehandelt werden. Die Börse: kurz und einfach erklärt.

Für die meisten Menschen handelt es sich bei der Börse um einen Bereich des Finanzwesens mit eigener, geheimnisvoller Sprache. Doch wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, stellt schnell fest, dass es eigentlich ein logisch aufgebautes System ist, das unerwartet einfach funktioniert.

Ein Markt mit eigenen Regeln: Definition der Börse

Wer das Wort Börse in ein Synonymwörterbuch eingibt, erhält eine Reihe von Antworten. Börse steht nicht nur als Alternative für Geldbeutel oder Portemonnaie, sondern auch für ein Gebäude für Wertpapiere und als anderer Ausdruck für eine Händlerzusammenkunft.

Die Betriebswirtschaft definiert den Begriff als ein überwachendes und zugleich regelndes, multilaterales System, das nach festen Vorgaben Kaufaufträge mit Verkaufsaufträgenzusammenführt und dadurch einen Vertragsabschluss herbeiführt. Im Börsengesetz (BörsG) gibt es die Unterscheidung zwischen Wertpapierbörse mit Wertpapieren und deren Derivaten sowie die Warenbörse, an der Waren und Termingeschäfte, bezogen auf Waren, angekauft und verkauft werden.

Börsen sind teilrechtsfähige Anstalten des öffentlichen Rechtsund dürfen ohne Genehmigung nicht agieren. Sie sind verpflichtet, vom Börsengesetz vorgeschriebene Strukturen und Organe einzurichten. Der Handel erfolgt zu festgelegten Zeiten und richtet sich nach den Regeln der jeweiligen Börse.

Vereinfacht ausgedrückt funktioniert die Börse ähnlich wie ein orientalischer Basar. Die unterschiedlichsten Händler treffen aufeinander, die Geschäfte bieten Waren aus derselben Kategorie zu einem festgelegten Preis in einer bestimmtenStraße an. Dabei sind Großhandel und Einzelhandel funktional miteinander verflochten. Findet sich ein oder mehrere potenzielle Käufer, beginnen die Preisverhandlungen noch immer nach den alten Regeln und Gesetzen. Der Verkäufer versucht dabei möglichst hohe Gewinne zu erzielen, der Käufer möglichst wenig zu bezahlen. Wichtigster Unterschied zwischen Basar und Börse ist, dass Käufer und Verkäufer je nach Anforderung den Platz tauschen, also die Rolle des Käufers beziehungsweise Verkäufers nicht feststeht und die Waren nicht angefasst werden können. Wie beim Basar gibt es bei der Börse eine Systematik, die sich nach dem Produkt richtet. Im (sehr abstrakten) Vergleich entsprechen die Straßen eines Basars der Art der Handelsobjekte, also Ware, Edelmetalle, Wertpapiere und Derivate. Dazu kommen die Geschäftsarten Effektivmarkt und Terminmarkt, die Organisationsform elektronischer Handel/Computerhandel oder Parketthandel sowie die Handelsverfahren Market-Maker-Prinzip und Auktionsprinzip. Die Marktsegmentierung unterscheidet zwischen Freiverkehr und reguliertem Markt.

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Begriffe aus dem Börsenhandel

Bei der Warenbörse steht der Handel von Waren sowie Produkten und Rohstoffen im Vordergrund. Ursprünglich handelte es sich überwiegend um eingeführte und heimische landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Warenbörse war die erste Börsenart, später entwickelten sich Produktbörsen und Spezialbörsen mit Spezialisierung auf bestimmte Welthandelsgüter wie zum Beispiel Kaffee oder Edelmetalle.

Die Wertpapierbörse oder Effektenbörse, meistens als Aktienbörse bezeichnet, ist eine Spezialbörse. Dort werdenausschließlich Aktien, Wertpapiere und Derivate gehandelt, entsprechend dem nationalen Wertpapierhandelsgesetz des jeweiligen Landes. Anders als der allgemeine Sprachgebrauch vermuten lässt, sind Wertpapiere nicht zwangsweise Aktien. Aktien verbriefen den Anteil an einer Aktiengesellschaft beziehungsweise einer Kommanditgesellschaft auf Aktien, bei Wertpapieren handelt es sich um Schuldurkunden, die ein Nachweis und das Recht auf eine Schuld sichtbar machen.Eine Aktie ist immer ein Wertpapier, ein Wertpapier aber nicht automatisch eine Aktie.

Ein Derivat (korrekt derivatives Finanzinstrument) leitet seinen wirtschaftlichen Wert von einer marktbezogenen Referenzgröße ab. Es ist ein gegenseitiger Vertrag, die Referenzgröße dafür wird Basiswert genannt. Beim Börsenhandel stellen in der Regel Aktien oder Wertpapiere die Referenzgröße.

Zu den typischen Handelsgeschäften eines Terminmarkts gehören Devisen, Metalle, Wertpapiere und sonstige Derivate. Die abgeschlossenen Geschäfte werden zu einem fest vereinbarten Termin fällig, wobei mindestens drei Handelstage zwischen Fälligkeit und Geschäftsabschluss liegen müssen. Das Gegenstück zum Terminmarkt ist der Effektivmarkt, auch Spotmarkt, Lokomarkt oder Kassamarkt genannt. Hier liegt die gegenseitige Frist zur Erfüllung der Verträge bei maximal zwei Börsentagen. Alle Geschäfte, die länger andauern, werden automatisch dem Terminmarkt zugeordnet.

Häufig verwendete Begriffe des Börsengeschäfts sind Parketthandel und elektronischer Handel beziehungsweise Computerhandel. Der Klassiker ist der Parketthandel, auch Criée- oder Präsenzhandel genannt. Bei Parketthandel schließen Börsenmakler und Börsenhändler ihre Geschäfte durch gegenseitiges Zurufen oder Gestikulieren an einer Börse ab. Im 21. Jahrhundert hat der Parketthandel allerdings kaum mehr Bedeutung. Der elektronische Handel, also Börsenhandel online, hebt den räumlich begrenzten Aktionsradius auf und erlaubt weltweites Agieren ohne persönliche Präsenz. 1977 führte als erste Börse Toronto den Computerhandel ein.

Market-Maker stehen anderen Kapitalmarktteilnehmern kontinuierlich als Handelspartner zur Verfügung. Sie nennen den Preis, zu dem sie kaufen würden, den sogenannten Geldkurs sowie den Verkaufspreis, den Briefkurs. Dadurch lassen sich Transaktionen stets zu marktgerechten Preisen abwickeln.

Die Börse: Kleiner Ausflug in die Geschichte

Im 12. Jahrhundert blühte der Handel in Italien, Städte wie Venedig, Florenz, Genua oder Lucca waren wichtige Umschlagplätze für Waren aus der damals bekannten Welt. Um ihre Geschäfte abzuwickeln, trafen sich dort die Händler an besonderen öffentlichen Plätzen. Das Konzept hatte Erfolg, im Laufe der Zeit entstanden in allen wichtigen Handelsplätzen Europas spezielle Markt- und Börsenplätze. Aus dieser Epoche stammen die ersten Kreditgeschäfte mit Zinsen und Ratenzahlungen, bald kamen Staatsanleihen und Termingeschäfte dazu.

Es ist umstritten, welche Stadt als Erste eine Händlerzusammenkunft ähnlich den heutigen Börsen besaß. Sowohl Amsterdam als auch Brügge und Antwerpen beanspruchen den Titel für sich. Die Herkunft des Begriffs Börse hingegen lässt sich eindeutig belegen. Im Haus der Brügger Kaufmannsfamilie Van Der Beurse, die im Wappen drei Geldbeutel führte, fanden regelmäßig Geschäftsessen und Treffen mit überwiegend italienischen Kaufleuten statt. Im Laufe der Zeit wurde aus dem niederländischen „beurse“ in den meisten europäischen Ländern das Wort „Börse“.

Offiziell gegründet wurde in Brügge eine Börse im Jahr 1409, ab 1531 gab es ein festes Gebäude. 1460 folgte Antwerpen, circa 1540 die Börse von Lyon. Es überrascht nicht, dass die ersten deutschen Börsen 1540 in Augsburg und Nürnberg entstanden. Der clevere Geschäftsmann Hans Fugger lebte ab 1367 in Augsburg und stand mit den wichtigsten Kaufleuten Europas in Kontakt. 1553 folgte die Börse in der Hansestadt Köln, 1558 die Hamburger Börse und 1571 London Stock Exchange sowie 1585 die Frankfurter Wertpapierbörse.

Von den vielen weltweit nachfolgenden Handelsplätzen sind heute 21 von internationaler Bedeutung:

  • Australien: ​Australian Securities Exchange
  • Belgien​: Euronext
  • Brasilien: ​BM&FBovespa
  • China​: Shanghai Stock Exchange
  • China​: Shenzhen Stock Exchange
  • Deutschland: ​Frankfurter Wertpapierbörse
  • Frankreich​: Euronext
  • Großbritannien: ​London Metal Exchange
  • Großbritannien​: London Stock Exchange
  • Hongkong​: Hong Kong Stock Exchange
  • Italien​: Borsa Italiana
  • Japan​: Tokyo Stock Exchange
  • Kanada: ​Toronto Stock Exchange
  • Niederlande:​Euronext
  • Portugal​: Euronext
  • Schweiz​: SIX Swiss Exchange
  • Singapur​: Singapore Exchange
  • USA​: Chicago Mercantile Exchange
  • USA​: NASDAQ
  • USA​: New York Mercantile Exchange
  • USA​: New York Stock Exchange

In Deutschland gibt es sechs reine Wertpapierbörsen, die

  • Tradegate Exchange Berlin
  • Börse Düsseldorf
  • Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) mit Xetra (Exchange Electronic Trading, elektronischer Börsenhandel)
  • Hanseatische Wertpapierbörse
  • Tradegate Exchange Berlin
  • Wertpapierbörse Hannover

Dazu kommen die

  • European Exchange (Eurex)​ in Frankfurt, die größte Terminbörse für Finanzderivate weltweit;
  • European Energy Exchange (EEX) ​in Leipzig, eine Börse speziell für Energie und energienahe Produkte;
  • Börse Stuttgart ​als Handelsplatz für Aktien und Anleihen, Genussscheine sowie börsengehandelte Fonds (ETF) und offene Investmentfonds;
  • Euwax Stuttgart​für derivative Anlage- und Hebelprodukte;
  • Börse München​mit Handelsplattformen für Aktien, Anleihen, börsengehandelte Fonds(ETF), Exchange-traded Commodities(ETCs) und Investmentfonds. Zudem ist München die Heimatbörse der DAX-Aktiengesellschaften Allianz, BMW, Infineon, Linde, Munich Re (Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG) und Siemens;
  • Hamburger allgemeine Börse​mit dem Schwerpunkt Immobilienwirtschaft;
  • Hamburger Getreidebörse,​die einzige aktive Warenbörse innerhalb der Hamburg Börse;
  • Hamburger Kaffeebörse​eröffnete 1887 als Börse für Kaffee und entwickelte sich zum ersten international bedeutsamen Hamburger Terminmarkt;
  • Versicherungsbörse Hamburg, ​außer Lloyd’s in London in dieser Branche der einzige börslich organisierte Marktplatz.

>> Lesen Sie aus unserer Reihe „Leicht erklärt“: Investmentfonds: Was sind ETFs?

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