Junge lässt Drachen steigen

Aktienmarkt: Frühlingserwachen oder Fehlstart?

In den vergangenen 12 Monaten haben sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen für die Weltwirtschaft kontinuierlich verschlechtert. Geht es nach der Börse, ist das Schlimmste aber mittlerweile überstanden: Die fulminante Kurserholung seit Jahresbeginn signalisiert, dass die Aktienmärkte nur von einer konjunkturellen Delle, aber nicht von einer nachhaltigen Abschwächung oder gar einer Rezession ausgehen. Und auch bei einigen Frühindikatoren ist es zuletzt zu einer positiveren Entwicklung gekommen als in den Monaten zuvor. Nun muss sich zeigen, ob und wie nachhaltig diese Entwicklung ist. Nur dann kann die Hausse an den Börsen weitergehen.

Fulminante Kurserholung seit Jahresbeginn

In den vergangenen 12 Monaten haben sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen für die Weltwirtschaft kontinuierlich verschlechtert. Hierfür verantwortlich waren vor allem die anhaltenden politischen Unsicherheiten, wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China und ein möglicherweise ungeregelter Brexit. Hinzukamen Krisen in Schwellenländern wie Argentinien und der Türkei oder auch die Probleme der deutschen Automobilindustrie. Aufgrund dieser Entwicklungen wurden die Wachstumsprognosen für die meisten Länder und Regionen deutlich nach unten revidiert. Prognostizierte der Internationale Währungsfonds im April 2018 noch ein globales Wirtschaftswachstum von 3,9 Prozent für die Jahre 2018 und 2019, wurde im vergangenen Jahr tatsächlich nur ein Zuwachs von 3,6 Prozent erreicht. Für 2019 hat der IWF seine Prognose in dieser Woche zum vierten Mal in Folge auf nun 3,3 Prozent nach unten revidiert. Dies wäre zwar das geringste Wachstum seit dem Jahr 2009, verglichen mit der Krise 2008/2009 wäre dies aber auch kein Beinbruch.

Diese sehr deutliche Prognoseanpassung ist nicht schön, aber auch keine wirkliche Überraschung. Wir hatten bereits im Dezember 2018 mit 3,4 Prozent ein ähnlich enttäuschendes Konjunkturjahr 2019 vorhergesagt. Von daher haben die Aussagen des IWF am Kapitalmarkt auch keine Spuren hinterlassen, denn das geringere Wachstumsprofil wurde bereits im vierten Quartal 2018 in die Kurse „eingebaut“. Viel entscheidender ist der Blick nach vorne. Geht es nach der Börse, ist das Schlimmste mittlerweile überstanden: Die fulminante Kurserholung seit Jahresbeginn signalisiert, dass die Aktienmärkte nur von einer konjunkturellen Delle, aber nicht von einer nachhaltigen Abschwächung oder gar einer Rezession ausgehen.

Konjunkturdaten hinken zwar hinterher sind aber zuletzt auch positiver

Allerdings sind mit dieser Einschätzung noch einige Fragezeichen verbunden. Zwar haben sich die Aktienkurse rasant erholt, nicht aber die Konjunkturdaten. Jedoch gehen viele Marktteilnehmer davon aus, dass es im Laufe der nächsten Monate zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage kommen wird. Dies wird zum einen an der Geldpolitik festgemacht, nachdem die US-Notenbank seit Jahresbeginn eine monetäre Vollbremsung vollzogen und signalisiert hat, dass es in diesem Jahr nicht zu weiteren Zinserhöhungen kommen wird („Don’t fight the Fed!“). Zum anderen besteht die Hoffnung, dass China dank einer expansiveren Geld- und Fiskalpolitik und eines erwarteten Handelsabkommens mit den USA seiner Funktion als globaler Wachstumsmotor weiterhin gerecht werden wird.

Bei allen verbleibenden Abwärtsrisiken für die globale Konjunktur lässt sich immerhin feststellen, dass es bei einigen Frühindikatoren zuletzt zu einer positiveren Entwicklung gekommen ist als in den Monaten zuvor. Diese so genannten „green shoots“ lassen sich auch in unseren Konjunkturmodellen entdecken, die eine Vielzahl von Frühindikatoren und Finanzmarktdaten tagtäglich auswerten und uns damit die weitere Richtung der wirtschaftlichen Entwicklung signalisieren. Im Vergleich zu den Ergebnissen in den Monaten Januar und Februar hat sich die Dynamik einiger Daten verbessert. Dies liegt zum einen an einigen Finanzmarktdaten, zum anderen an besseren Frühindikatoren aus China und anderen Schwellenländern. Ähnlich sieht dies bei den OECD-Frühindikatoren aus. Die seit Anfang letzten Jahres zu beobachtende Abschwächung hat zuletzt an Dynamik verloren. Dennoch ging es auch im Februar weiter abwärts.

Ob die Erholung wirklich nachhaltig ist, wird sich erst in den nächsten Monaten beurteilen lassen

Alles in allem zeigen die Daten also eine Stabilisierung und zum Teil auch eine Verbesserung der ökonomischen Rahmenbedingungen an. Die Aktienmärkte haben dies längst vorweggenommen. Nun muss sich zeigen, ob und wie nachhaltig diese Entwicklung ist. Nur dann kann die Hausse an den Börsen weitergehen.

 

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Autor: Carsten Klude

Carsten Klude studierte nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank VWL mit Schwerpunkt Ökonometrie in Kiel. 1996 kam er zu M.M.Warburg & CO, für die er zunächst die europäischen Kapitalmärkte analysierte und später mit der Leitung des Makro-Research betraut wurde. Seit dem Jahr 2009 ist Herr Klude Mitglied im Investmentrat von M.M.Warburg & CO und verantwortet seit dem Sommer 2013 das Asset Management der Bank. Zusätzlich ist Herr Klude seit dem Jahr 2010 Mitglied im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbandes deutscher Banken e.V., dessen Vorsitz er von 2015 bis 2018 inne hatte. 
Bildnachweis: Solovyova