Bitcoin – die wohl bekannteste Kryptowährung – markiert einen Höchststand nach dem nächsten.
Vor einem Monat musste der bisherige Rekordwert von 2970 US-Dollar bezahlt werden, um eine Einheit Bitcoin zu erwerben.
Seit Jahresbeginn erzielte die virtuelle Währung per heute einen Wertzuwachs von 74%.
In den letzten 24 Monaten hat sich der Preis sogar um sagenhafte 750% erhöht.

 

 

Bei den 16,42 Millionen im Umlauf befindlichen Bitcoins ergibt sich daraus ein Gesamtwert von 42,76 Mrd. US-Dollar.
Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt eines Jahres von Kroatien.
Da auch andere Kryptowährungen, wie z.B. das zuletzt sehr populäre Ethereum, millardenschwere Werte erreichen, gibt es gute Gründe, sich mit diesem Thema näher zu befassen.

Insgesamt existieren inzwischen rund 800 Kryptowährungen.
Hierunter versteht man digitale Währungen, die durch Kryptografie abgesichert sind, d.h. es werden verschlüsselte Codes zumeist dezentral und stets verteilt digital weggeschrieben.
Diese dezentrale Verteilung auf viele verschiedene Server verschafft Sicherheit, weil eine Manipulation fast unmöglich ist.
Viele, aber nicht alle Kryptowährungen basieren auf Blockchains, bei denen Datenblöcke an einen Datensatz nach festen Regeln angehängt werden. Bitcoin ist der bekannteste und älteste Blockchain.

 

Bei Bitcoin werden neue Blöcke über ein dezentrales Netzwerk geschaffen und nur dann an die Blockkette angehängt, wenn der neue Block verifiziert wurde.
Die Verifizierung kostet Energie und Zeit und wird auch als „Mining“ bezeichnet.
Im Gegenzug für diese Leistung erhalten „Miner“ neu geschöpfte Bitcoins.
Der Schöpfungsgewinn fällt damit privaten Haushalten oder Unternehmen zu.
Allerdings ist die Bitcoin-Geldmenge insgesamt begrenzt.
Jedes Jahr kommt nur ein bestimmter Prozentsatz dazu, der sich immer weiter verringert, bis etwa im Jahr 2040 das Limit von rund 21 Millionen Bitcoin erreicht sein dürfte.

 

Die Kryptowährungen sind deshalb so attraktiv, weil sie gegenüber herkömmlichem Geld einige Vorteile bieten:

  1. Sie können nicht beliebig vermehrt werden, bieten daher einen gewissen Schutz gegenüber Inflation.
  2. Die Währungen sind unabhängig von Banken und staatlichen Eingriffen.
  3. Da zwischen Sender und Empfänger der Kryptowährungen keine Daten ausgetauscht werden, bleibt die Anonymität von Transaktionen erhalten.

 

Die limitierte Geldmenge von Bitcoin wird von vielen Anlegern deshalb geschätzt, weil es die exorbitante Verschuldung von Staaten limitiert.
In der wachsenden Staatsverschuldung sehen viele die Gefahr, dass eines Tages ein Schuldenabbau nur über Inflationierung gelingen kann.
Die massiven Anleihekäufe der Zentralbanken wie der Federal Reserve oder der Europäischen Zentralbank werden als erstes Indiz in dieser Richtung interpretiert.
Die Attraktivität der Kryptowährungen kann insofern als Misstrauen gegenüber der Zentralbankpolitik interpretiert werden.

 

Die limitierte Geldmenge von Bitcoin wird von vielen Anlegern deshalb geschätzt, weil es die exorbitante Verschuldung von Staaten limitiert.
In der wachsenden Staatsverschuldung sehen viele die Gefahr, dass eines Tages ein Schuldenabbau nur über Inflationierung gelingen kann.
Die massiven Anleihekäufe der Zentralbanken wie der Federal Reserve oder der Europäischen Zentralbank werden als erstes Indiz in dieser Richtung interpretiert.
Die Attraktivität der Kryptowährungen kann insofern als Misstrauen gegenüber der Zentralbankpolitik interpretiert werden.

 

Doch haben Kryptowährungen gegenüber dem vorherrschenden Geldsystem bedeutende Nachteile.
Gerade die Limitierung der Geldmenge bringt die Gefahr von großen Preisschwankungen mit sich.
Angenommen, Bitcoins wären die Weltwährung. Wächst in dieser Welt die Realwirtschaft sehr stark, so entsteht daraus eine erhöhte Nachfrage nach Geld.
Dies führt dazu, dass der Wert von Bitcoins stark zunimmt.
Die Preise für Güter und Dienstleistungen müssten gesenkt werden, damit sie noch gekauft werden.
Es kommt also zu einer Deflation.
Bleibt die Erwartung erhalten, dass der Wert des Bitcoins weiter steigt, können die Marktteilnehmer sogar ihren Konsum weiter aufschieben, was wiederum eine Deflationsspirale auslösen kann.

 

Die hohen Wertschwankungen des Bitcoin-Kurses behindern bereits aktuell die Akzeptanz als Zahlungsmittel.
Denn wer bezahlt schon in Bitcoins, wenn er sich morgen einen höheren Kurs erhofft?
Oder wer akzeptiert Bitcoins, wenn er damit rechnet, dass der Wert am nächsten Tag geringer sein wird.
Entsprechend gering ist bisher der tatsächliche Umsatz in Bitcoins bei normalen Einkäufen.
In den deutschen Großstädten gibt es bisher nur rund 100 Geschäfte oder Online-Anbieter, die Zahlungen in Bitcoins akzeptieren.
Der tägliche Bedarf zum Leben lässt sich durch Bitcoins nicht ansatzweise decken.

 

Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit von Wertschwankungen in einem Bitcoin-Währungsregime deutlich erhöht.
Trotz einer Limitierung des zur Verfügung stehenden Volumens an Geldeinheiten sind auch Spekulationsblasen nicht ausgeschlossen.
Denn selbst wenn es nicht zu hohen Inflationsraten über alle Güter und Dienstleistungen kommen kann, ist eine Verschiebung der Nachfrage zu bestimmten Gütern und damit der Preise nach wie vor möglich.
Auch kann eine Spekulationsblase in der Währung selbst entstehen.

 

Der wesentlichste Nachteil eines Kryptowährungsregimes ist, dass keine Möglichkeit mehr besteht, stabilisierend einzugreifen.
Zentralbanken können dagegen zumindest den Versuch unternehmen, ausgleichend auf wirtschaftliche Entwicklungen zu wirken.
So wird in Rezessionen, die deflatorisch wirken, mehr Geld zur Verfügung gestellt, um die Preise stabil zu halten.
In Boomphasen, in denen Geld reichlich vorhanden ist, sollen Zinserhöhungen die Kosten der Geldaufnahme verteuern und somit das Geldangebot verknappen.
Insgesamt hat ein Bitcoin-Währungsregime viele Parallelen zum Goldstandard, der bis zum Jahr 1971 in den USA galt.
Die feste Bindung des US-Dollar an die vorhandenen Goldreserven führte dazu, dass das Wachstum der Weltwirtschaft in gewisser Weise mit der geförderten Goldmenge verknüpft und somit eingeschränkt war.
Erst die Aufgabe des Goldstandards ermöglichte eine deutliche Wachstumsbeschleunigung der Weltwirtschaft.

 

Die Anonymität wiederum kann auch ein Problem für die Kryptowährungen darstellen.
Was für den einzelnen Privatbürger zunächst von Vorteil sein mag, kann für die Gemeinschaft und damit für den Staat als dessen Hüter nachteilig sein.
Denn wenn Transaktionen und Besitztümer versteckt werden können, dann erschwert dies die Erhebung von Steuern und mithin die Zurverfügungstellung sozialer Leistungen durch den Staat.
Aktuell ist das Transaktionsvolumen noch so gering, dass es für die gesamte Volkswirtschaft keine Relevanz hat.
Sollte die auf Bitcoin lautende Parallelwelt jedoch größer werden, dann steigen die Anreize für den Staat, die Kryptowährung zu verbieten, um Steuerumgehung zu vermeiden.

 

Ein sehr konkretes Beispiel ist der Kapitalexport aus China.
Dieser ist durch Kapitalverkehrskontrollen aktuell stark eingeschränkt.
Bitcoin und andere Kryptowährungen funktionieren dabei als Ersatzvehikel.
So kauft ein Chinese im Inland Bitcoins, reist dann ins Ausland und hebt sie dort wieder ab, um dann mit den eingetauschten US-Dollar eine Immobilie z.B. in den USA zu erwerben.
Zwar hat das Volumen der Transaktionen noch kein gefährliches Ausmaß angenommen, aber China kann dies auch kaum im großen Stil tolerieren.
Haben doch erst rigide Kapitalverkehrskontrollen dazu geführt, dass sich das Volumen der Währungsreserven in den vergangenen Monaten wieder bei gut 3 Billionen US-Dollar stabilisieren konnte.

 

Zudem könnten Kryptowährungen aufgrund ihrer Anonymität auch besonders gut und leicht handhabbar für die Terrorismusfinanzierung genutzt werden.
Dieser Aspekt birgt eine besonders große Gefahr, dass die virtuellen Währungen eines Tages verboten werden.

 

Schließlich gibt es gewisse Nachteile in der Wertaufbewahrung.
Immer wieder ist es in der Vergangenheit zu Diebstählen von Kryptowährungen, auch bei Bitcoin, gekommen.
Die sicherere Lagerung von Bitcoins über Offline-Wallets ist für viele zu kompliziert und unpraktisch.

 

 

Doch wenn Bitcoin oder eine andere Kryptowährung die Funktion des Zahlungsmittels nicht erfüllen werden, können sie vielleicht doch wegen ihrer Limitierung eine neue Art der Wertaufbewahrung als Alternative zu Gold darstellen.
Doch auch hier gilt es wesentliche Bedenken zu beachten.
Zum einen weisen alle Kryptowährungen eine hohe Volatilität auf.
Zwar wurden mit der Zeit in den meisten Fällen bisher Kursgewinne erzielt, ein falscher Einstiegszeitpunk kann jedoch auch erhebliche temporäre
oder dauerhafte Wertverluste mit sich bringen.
Die Volatilität ist derzeit höher als bei Gold.
Zudem ist zwar Bitcoin im Volumen limitiert, aber immer neue virtuelle Währungen könnten das Interesse in andere Richtungen lenken und so vielleicht für den Gesamtmarkt zu einem Wachstum führen, aber nicht für jede einzelne Kryptowährung.

 

Für die nähere Zukunft dürfte die Fantasie bei Kryptowährungen jedoch noch erhalten bleiben, zumal die expansive Geldpolitik der Zentralbanken fortgesetzt werden dürfte.
Ein Verbot steht aufgrund der geringen Relevanz noch nicht zur Diskussion.
Im Gegenteil hat mit Japan die erste große Volkswirtschaft Bitcoin als Zahlungsmittel legalisiert.
Langfristig ersetzen werden Kryptowährungen wegen der diversen Nachteile das bisherige Zahlungssystem jedoch nicht.
Je bedeutender die Kryptowährungen werden, desto stärker sind die Anreize für eine Regulierung durch den Staat, was wiederum deren Attraktivität mindert.

 

Für die Bedenkenträger bezüglich Inflationsgefahren sei in diesem Zusammenhang erwähnt, dass zwar die Geldmenge seit Jahren kräftig ansteigt, dafür aber die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes stark abgenommen hat.
Das bedeutet, dass zusätzliche Liquidität schon allein deshalb notwendig ist, um diese Entwicklung auszugleichen.