Politische Themen dominieren die Aktienmärkte

Ausblick 2019 (IV): Politische Themen dominieren die Aktienmärkte

In diesen Teil unseres Ausblicks für das Jahr 2019 wagen wir einen Blick auf die Aktienmärkte. Hier dürften politische Risiken und eine globale Abschwächung des Wirtschaftswachstums zu einer erhöhten Volatilität führen. Erfahren Sie, wie wir die Chancen und Risiken der Aktienmärkte im Jahr 2019 bewerten.

Nachdem die internationalen Börsen im Jahr 2017 vergleichsweise kontinuierlich angestiegen sind und damit das sechste Gewinnjahr in Folge markierten, kehrte im Jahresverlauf 2018 eine fast in Vergessenheit geratene Börseneigenschaft zurück: anhaltende und hohe Volatilität. So erreichte der deutsche Leitindex DAX noch im Januar 2018 ein neues Allzeithoch von über 13.000 Punkten, korrigierte dann aber in den folgenden zwei Monaten um gut 13 Prozent und fiel unter die Marke von 12.000 Punkten. Bis Juni ging es dann wieder zurück auf ein Niveau von rund 13.000 Indexeinheiten. Wer sich dann aber schon auf neue Höchststände gefreut hatte, wurde eines Besseren belehrt. Im Herbst setzte ein sogenannter Bärenmarkt ein, in dessen Folge der DAX auf etwa 11.000 Punkte fiel.

Setzt sich hohe Volatilität in 2019 fort?

Analysiert man die Gründe für die volatile Entwicklung im Jahr 2018 kommt man nicht umhin, auch für das Folgejahr 2019 ein ähnliches Muster zu prognostizieren. Einerseits hält der aktuelle Wirtschaftszyklus an. So rechnen wir für Deutschland, Europa und die Vereinigten Staaten von Amerika im nächsten Jahr mit positiven Wachstumsraten beim Bruttoinlandsprodukt. Gleichwohl werden die Wachstumsraten in vielen Ländern niedriger ausfallen als in den vergangenen Jahren. Auch Deutschland dürfte hier keine Ausnahme darstellen, obwohl das Jahr 2018 durch eine Reihe von Einmalfaktoren geprägt war (z. B. die WLTP-Abgaszertifizierung, die zu einem Produktionseinbruch in der Automobilindustrie geführt hat).

Makroökonomische Entwicklung: Chancen und Risiken

Doch auch bei geringeren Wachstumsraten haben die Unternehmen das Potenzial, ihre operativen Gewinne zu steigern, wenn sie ihre Kosten im Griff haben. Dies wären gute Voraussetzungen für eine positive Aktienmarktentwicklung. Andererseits schweben einige Damoklesschwerter über diesen grundsätzlich positiven makroökonomischen Rahmenbedingungen.

Hier sind in erster Linie drei politische Risiken zu nennen.

  1. Zum einen besteht weiterhin die Gefahr, dass US-Präsident Donald Trump in Vorbereitung der Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 aktive Handelspolitik betreibt. Dabei kann es wie auch im Jahr 2018 zu weiteren Spannungen oder auch zu einer Deeskalation kommen. Beide Szenarien sind denkbar und von ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit her kaum zu prognostizieren.
  2. Ein anderer Belastungsfaktor, über den wir allerdings schon bis März 2019 mehr Klarheit haben werden, ist der finale Ausgang des Ausscheidens des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union. Auch hier ist sowohl ein klares Ergebnis (harter oder weicher Brexit) als auch ein Mittelweg denkbar. Aber selbst wenn die Deadline einer Entscheidung mit dem 29. März 2019 klar ist, werden die Auswirkungen für die Wirtschaft und die Unternehmen erst im weiteren Jahresverlauf 2019 und danach spürbar.
  3. Den dritten bereits heute bekannten Risikofaktor für die Aktienmärkte stellt Italien dar. Die Regierung in Rom plant eine Ausweitung der Staatsschulden, um ihre Wahlversprechen finanzieren zu können. Die EU hat den Haushaltsplan bereits Ende 2018 zurückgewiesen. Aber selbst wenn Italien in geringerem Umfang als zunächst geplant neue Schulden aufnimmt, wächst der Schuldenberg weiter an. Daher ist nicht auszuschließen, dass die Schuldenkrise wieder auflebt. Mit Italien als Hauptakteur ist diese Situation jedoch sehr viel kritischer zu beurteilen als es seinerzeit mit Griechenland der Fall war. Dies liegt einerseits an der Größe und Bedeutung Italiens für die EU im Vergleich zu Griechenland sowie andererseits an der absoluten Höhe der Staatsschulden.

 

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Prognosen für den DAX, den Euro Stoxx 50 und den S&P 500: Schwierig!

Blickt man nun unter Berücksichtigung dieser Chancen und Risiken auf die Aktienmärkte im Jahr 2019, erscheint es schwieriger denn je, eine konkrete Prognose für den DAX, den Euro Stoxx 50 und den S&P 500 abzugeben. Die Prognoseunsicherheit basiert dabei nicht allein auf den genannten Risiken, sondern vor allem auf der erheblichen Ergebnisvarianz der jeweiligen Ereignisse. Vor diesem Hintergrund nähern wir uns der Aktienmarktprognose 2019 mit Szenarien und prognostizieren Schwankungsbreiten für die Aktienindizes.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt für den DAX im Durchschnitt seit 1988 bei rund 15, im Jahr 2018 dagegen nur bei 12,4. Multipliziert man dieses mit den Gewinnerwartungen für das Jahr 2020, errechnet sich ein DAX-Ziel von rund 12.600 Punkten. Im Jahresverlauf 2019 ist allerdings auch ein DAX von rund 10.000 Punkten möglich, sofern die negativen Varianten der oben genannten Risikofaktoren eintreffen. Für diesen Fall unterstellen wir ein KGV von 10, das im Durchschnitt auch in den Jahren 2011 und 2012 zu beobachten war.
Seinerzeit stand die Schuldenkrise im Fokus der Finanzmärkte und das Wirtschaftswachstum kühlte sich nach einer Boomphase stark ab. Unter der Annahme eines durchweg positiven Ausgangs der politischen Risiken, lassen sich allerdings auch DAX-Ziele von bis zu 13.700 Punkten ableiten. Dies würde einem KGV von 13,5 auf Basis der Gewinnprognosen für das Jahr 2020 entsprechen. Dieser Wert wurde zuletzt Anfang 2018 beobachtet, als die Finanzwelt noch nicht unter dem Eindruck von Trump, Brexit, Italien & Co. stand.

Analog zu dieser Vorgehensweise lassen sich für den Euro Stoxx 50 Kursziele zwischen 2.700 und 4.100 Punkten ableiten. Dabei schwankt das zugrunde liegende KGV zwischen 9,1 (Durchschnitt 2011 und 2012) und 13,9 (Höchststand 2018). Anders als für den deutschen und den europäischen Leitindex sind wir für den Aktienmarkt in den USA zuversichtlicher. Die politischen Risiken, wie Brexit und Italien, sind vor allem europäische Themen. Eine Verschärfung des Handelsstreits würde sich jedoch auch negativ für die USA auswirken. Wir unterstellen für den S&P 500 im Gegensatz zum DAX und Euro Stoxx 50 kein politisch geprägtes Negativszenario im Jahr 2019. Auf Basis des aktuellen KGV in Höhe von 15,6 sowie den Gewinnschätzungen für das Jahr 2020 errechnet sich ein S&P 500 Kursziel von rund 3.000 Punkten.

Automobil & Technologie: Automatisierung und Digitalisierung könnten sich in hohen Wachstumsraten widerspiegeln

Nach der kräftigen Korrektur der Aktienmärkte zum Jahresende 2018 halten wir zum Start in das Jahr 2019 zunächst eine Erholung besonders schwacher Titel für möglich. Dies dürfte insbesondere für Automobilwerte gelten, die im zweiten Halbjahr 2018 unter Produktionseinbrüchen im Zuge neuer Abgastests (WLTP) litten. Bereits in den letzten beiden Monaten des Jahres 2018 normalisierte sich die PKW-Produktion wieder, und auch das erste Quartal 2019 sollten von Nachholeffekten sowie einer im Vorjahresvergleich hohen Anzahl an Arbeitstagen profitieren.

Da die Automobilindustrie ein wichtiger Abnehmer für andere zyklische Branchen wie Chemie oder Rohstoffe ist, sollte es auch in diesen Sektoren zu einer Erholung kommen. Auch Technologieunternehmen, insbesondere in den USA, halten wir nach den Kurskorrekturen wieder für interessant. Viele dieser Unternehmen profitieren weiterhin vom strukturellen Wandel der Automatisierung und Digitalisierung. Zu den Megatrends zählen u. a. E-Commerce, Cybersecurity oder die cloudbasierte Datenverarbeitung. Dies spiegelt sich in anhaltend hohen Wachstumsraten und starken Margen wider.

Aktienmarkt: Unsere Empfehlung an Sie

Im weiteren Jahresverlauf 2019 empfehlen wir gute Aktienmarktphasen für Verkäufe zu nutzen, um das Portfolio wetterfester zu machen und den Fokus der Aktienanlage noch stärker auf Qualitätsunternehmen zu legen. Hierunter verstehen wir Unternehmen mit guten Bilanzkennziffern, möglichst hohen Markteintrittsbarrieren, guter Preissetzungsmacht und weniger zyklischen Umsätzen und Gewinnen. Hintergrund ist die sich abkühlende Konjunktur und die gestiegene Attraktivität für kurzlaufende Zinspapiere in den USA sowie die abnehmende Liquidität an den Kapitalmärkten aufgrund der anhaltenden Bilanzverkürzung der US-Notenbank.

Lesen Sie mehr aus unserer Reihe „Ausblick 2019“, und erfahren Sie, wie wir die konjunkturellen Aussichten für die Weltwirtschaft und den Anleihemärkten sehen.

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Autor: Carsten Klude

Carsten Klude studierte nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank VWL mit Schwerpunkt Ökonometrie in Kiel. 1996 kam er zu M.M.Warburg & CO, für die er zunächst die europäischen Kapitalmärkte analysierte und später mit der Leitung des Makro-Research betraut wurde. Seit dem Jahr 2009 ist Herr Klude Mitglied im Investmentrat von M.M.Warburg & CO und verantwortet seit dem Sommer 2013 das Asset Management der Bank. Zusätzlich ist Herr Klude seit dem Jahr 2010 Mitglied im Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbandes deutscher Banken e.V., dessen Vorsitz er von 2015 bis 2018 inne hatte.
Bildcredit: b-fruchten / photocase.de