Top 5 Bücher für Digitalunternehmer

Ja, es ist Mode geworden, als Autor oder Organisation seine Lektüre-highlights mit anderen zu teilen, wie jüngst Goldman Sachs mit ihrer „recommended reading list“. Dies ist nicht unberechtigt, erklärt die Lektüre doch zumindest zum Teil das Denken und Handeln von Menschen.

THE INNOVATOR’S DILEMMA, VON CLAYTON CHRISTIANSEN

Da Buch The Innovator's dilemma von Clayton M. ChristensenDas mittlerweile berühmte und viel zitierte Buch des Harvard Professors Clayton Christensen liefert eine Erklärung, warum sich erfolgreiche, traditionelle Konzerne so schwer mit technologischen Umbrüchen tun.
Er führt Beispiele von der Stahlindustrie bis zu den Herstellern von Floppy Disks an, die im technologischen Wandel untergegangen sind.
Er hält dafür eine einfache Erklärung bereit: Gute klassische Managementtugenden sind dafür verantwortlich, dass diese großen Unternehmen scheitern:

  • Klassische Manager schauen auf die direkten Wettbewerber. Dies mag auch wichtig sein. Im technologischen Wandel muss man aber ebenso die vielen kleinen Unternehmen/ Start-ups mit neuen Ansätzen im Blick halten, um zu verstehen, wohin sich technologische Trends hin entwickeln. Der jeweils andere Floppy-Disk-Hersteller konnte jedenfalls keine Anhaltspunkte für die aufkommenden CDs und heutigen USB-Sticks liefern.
  • Klassische Manager allokieren ihre Ressourcen – vor allem Geld und Personal – auf diejenigen Umsatzbereiche, die den schnellsten Gewinn- oder Umsatzanstieg versprechen. Sich Vorwagen in zunächst kleinere Märkte, mit noch nicht etablierten Technologien, hilft bei den Anforderungen an größeren Umsatzzuwachs nicht, ist aber notwendig im technologischen Wandel. Die herkömmliche Herangehensweise führt meist nur zur Weiterentwicklung bestehender Produkte und Services und nur selten zu neuen Produkten für neue Kundengruppen.
  • Klassische Manager befragen ihre besten Bestandskunden nach ihren Wünschen. Auch das ist nicht falsch, hilft aber nicht bei der Entdeckung entstehender Märkte, denen sich meist jüngere und technikaffine Menschen zuerst nähern. Diese haben aber oft noch nicht den Rang „besonders guter Kunden“.

Christensen hält aber auch Lösungen bereit, mit diesem Dilemma umzugehen. Zuerst kommt natürlich der Blick auf diese Zusammenhänge und die Schaffung neuer Strukturen und Anreizsysteme.
Wichtig ist die Erkenntnis, dass aufkommende Technologien von etablierten Unternehmen aufgrund ihrer Unreife oft nicht ernst genommen werden, bis die Dynamik so stark geworden ist, dass es nur noch schwer möglich ist, sich darauf einzustellen.
Lassen Sie sich also als klassischer Dieselautohersteller nicht dadurch beruhigen, dass Elektroautos (noch) nicht perfekt sind und automatisch fahren können. Irgendwann können sie es!

THE VICTORIAN INTERNET: THE REMARKABLE STORY OF THE TELEGRAPH AND THE NINETEENTH CENTURY’S ON-LINE PIONEERS, VON TOM STANDAGE

Das Buch Tom Standage hat 1998 dieses sehr kurzweilige Buch über die in Wild-West-Manier begonnene Entwicklung der Telegrafie von der Erfindung des Morsealphabets bis zur Entstehen der großen Telefon–Konzerne geschrieben.
Die immer mitschwingenden Vergleiche zum im Jahr 1998 auf einem ersten Höhepunkt befindlichen Internetbooms machen deutlich, in welchen Wellen technologische Umbrüche stattfinden: Es folgen auf Innovationen von kauzigen Erfindern, waghalsige Risikoinvestoren, Pleiten, krimineller Wettbewerb, Abenteuergeschichten, wie die Verlegung des ersten Telegrafiekabels auf dem Grund des Atlantiks, Technikrückschläge, Unfälle, neuartige (psychische) Krankheiten (Neurasthenie wegen Reizüberflutung), Kampf um neue Gesetze und schließlich der Wandel ganzer Industriebereiche oder gar des Funktionierens der gesamten Wirtschaft.
All dieses Vor- und Zurück hält große technologische Entwicklungen nicht auf.
Ein Verharren von Unternehmern auf Kutschen, Boten und Brieftauben, war auch nicht durch das mehrmalige Scheitern der Verlegung der Telegrafiekabels im Atlantik gerechtfertigt.
Skepsis gegenüber neuen Technologien ist wichtig. Man muss aber auch erkennen, wann die neuen technischen Möglichkeiten, den alten – für immer – überlegen sind.

DIGITAL BANK – STRATEGIES TO LAUNCH OR BECOME A DIGITAL BANK, VON CHRIS SKINNER

Das Buch Dieses 2014 erschienene und von Chris Skinner geschriebene Buch erläutert den Status Quo der Fintech-Welt, die Strategien von reinen Digitalbanken und traditionellen Häusern, die sich dieser Welt zuwenden.‘,
‚Neben einem guten systematischen Überblick ist es interessant zu sehen, wie schwer sich die Finanzindustrie mit neuen Geschäftsmodellen tut.‘,
‚Es ist eben nicht damit getan, Papier in Bits und Bytes zu verwandeln. Es sind vielmehr die geänderten Lebensgewohnheiten der Kunden gesamtheitlich zu betrachten. Das Potential für neue Geschäftsansätze im Finanzbereich erscheint riesig und junge Unternehmer zeigen keinen Respekt mehr vor der Institution Bank.

POOR CHARLIE`S ALMANACK – THE WIT AND WISDOM OF CHARLES T. MUNGER

Das Buch Den Autor Charlie Munger kennen nicht alle. Er ist der Investmentpartner von Warren Buffet, dem er meist die Rolle des Sprechers von Berkshire Hathaway überlässt.
Sein Anteil am Erfolg der Investmentholding ist aber jedoch ähnlich dem von Buffet. Buffet lernte Munger kennen, als dieser Anwalt und Immobilieninvestor war und fragte ihn, ob er mit ihm zusammen investieren wolle. Dies ist über 40 Jahre her.

Beide eint, dass sie sehr viel über alle Wissensbereiche hinweg lesen und zeigen, dass Lesen eben nicht nur klug, sondern auch reich machen kann. Und darum geht es auch in diesem sehr schön gestalteten 500-seitigen Buch.
Neben Anekdoten und klugen Ratschlägen aus Jahrzehnten des Investierens weist Munger immer wieder auf seine Lektüre hin und hat auch im Anhang eine sehr interessante Liste zusammengestellt, die von Naturwissenschaften, Geschichte, Psychologie bis hin zu Biografien reicht.
Der Titel des Buches ist eine Anleihe an Benjamin Franklins Buchreihe Poor Richard`s Almanach, in dem der Verleger und einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten der USA bis 1758 Weisheiten und Wissenswertes an seine Leser berichtete.
Munger führt einige Reden Buffets mit wichtigen Einsichten zum Leben an und leitet auch durch die Unebenen menschlicher Fehleinschätzungen, insbesondere bei wirtschaftlichen Entscheidungen.
Eine Analogie zwischen Wissenschaft und Wirtschaft blieb mir im Gedächtnis hängen: Wenn der Mensch über Tausende von Jahren nur wenige Tierarten zu Haustieren züchten konnte (Hund, Rind, Schwein, Schaf, Pferd, Ziege etc.), wie wahrscheinlich ist es dann, dass sich neue Geschäftsmodelle (auch von Start-ups!) wirklich langfristig durchsetzen?

FLASH BOYS: WIE INSIDER DIE BÖRSE MANIPULIEREN, VON MICHAEL LEWIS

Das Buch Was mich an Flash Boys (2015) von Michael Lewis so faszinierte, war nicht nur die Zustandsbeschreibung des sog.
Hochfrequenzhandels, einer modernen Mischung aus Insiderhandel und blitzschneller Arbitrage.
Viel wichtiger fand ich die Erkenntnis, wie wenig die Kapitalmarktteilnehmer an der Wall Street und anderswo über Jahre über diese Praktiken wussten.
Mit detektivischer Kleinarbeit hat der Protagonist des Buches, Brad Katsuyama von der Royal Bank of Canada, die Zusammenhänge herausgefunden, warum klassische Aktienhändler ab ca. 2006 oft das Nachsehen bei den besten Börsenpreisen hatten.
Er führte Interviews mit Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen, von Glasfaserherstellern und Programmierern bis zu Hedgefonds-Managern.
Kaum einer kannte das gesamte Bild, bis Katsuyama kam.

Es erstaunt, wie viele wichtige Zusammenhänge heute trotz Internet und dem allgemeinen Gefühl guter Informiertheit noch an uns vorbeigehen.
Erst dieses Buch führte dazu, dass die amerikanische Securities and Exchange Commission (SEC) Untersuchungen wegen Börsenbetruges gegen Hochfrequenzhändler aufnahm.

Nichts desto trotz beeindruckt die Kreativität einiger Marktteilnehmer angesichts der neuen technischen Möglichkeiten.
Und hier kommen wir wieder zu den Entwicklungsphasen aus dem „Victorian Internet“ zurück.